So halten es die Berliner Bezirke mit Pop-up-Straßenlokalen

In Friedrichshain-Kreuzberg sollen Parkplätze vor Restaurants für Tische und Stühle reserviert werden. Gibt es ähnliche Pläne auch in den anderen Bezirken? Eine Umfrage von Julius Betschka

So halten es die Berliner Bezirke mit Pop-up-Straßenlokalen
Foto: Seeliger/imago images

Wenn das eh schon volle Berlin sich jetzt wieder zur Draußenstadt wandelt, werden die Abstandsregeln noch schwerer einzuhalten (diese Gastro-Regeln gelten außerdem). Wie soll zwischen Restauranttischen auf Gehwegen und Fußgängern ein Mindestabstand von 1,5 Metern gewahrt werden? Wo Raum knapp ist, muss neuer geschaffen oder, Reizwort, umverteilt werden. Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg hat sich längst an die Spitze der Bewegung gesetzt und plant nach Pop-up-Fahrradwegen und -Spielstraßen nun: Pop-up-Gastronomie. Parkplätze zu Futterstellen! Autos raus, Veggie-Wurst rein! Jedes Wochenende von 11 bis 22 Uhr sollen die Stellplätze vor Restaurants und Kneipen zur gemütlichen Asphaltterrasse werden, zur Not können ganze Straßen zur Schankmeile werden. Klingt schwer nach Mallotze. Zumindest die Wirte und ihre Klientel wird’s freuen.

Gibt’s ähnliche Pläne auch in den anderen elf Bezirken? Unsere Checkpoint-Pop-up-Umfrage:

1) Tempelhof-Schöneberg beantwortet die Frage schlicht: „Nein“. Man sei überrascht von dem Vorstoß, heißt es, da „der Gemeingebrauch des öffentlichen Raumes durch alle Verkehrsteilnehmenden Vorrang gegenüber den wirtschaftlichen Interessen einer Branche hat“. 

2) Lichtenberg diskutiert solche Maßnahmen „aktuell nicht, da individuelle Sondernutzungen im größeren Umfang immer zu Lasten der Allgemeinheit gehen“.

3) Aus Mitte heißt es: „Auf den Straßen werden gastronomische Flächen nur im Ausnahmefall eingerichtet.“ Man werde wohlwollend prüfen, wenn eine Umnutzung durch Baustellen oder Sackgassen „mit wenig Aufwand“ möglich sei. Außerdem wird verkündet: „Angesichts der dramatischen Folgen der Schließung für die gastronomischen Einrichtungen hat das Bezirksamtskollegium angekündigt, nun wieder verstärkt auswärts zu essen.“ Traumjob.

4) In Steglitz-Zehlendorf ist nichts dergleichen in Planung. Anträge zur Erweiterung von Gastronomie-Flächen würden aber wohlwollend geprüft“.

5) In Pankow soll es keine Sperrungen für Restaurants geben. Temporäre Spielstraßen nach Kreuzberger Vorbild sind aber möglich.

6) In Neukölln erklärt man, das wirtschaftliche Interesse der Wirte zu verstehen. Man dürfe aber „die Anwohnenden nicht vergessen“. Bislang sind deshalb keine Pop-up-Flächen geplant.

Die Kreuzberger Schankmeile geht den anderen dann doch zu weit. Und die Bezirke Spandau, Reinickendorf, Treptow-Köpenick, Charlottenburg-Wilmersdorf und Marzahn-Hellersdorf hatten am Freitag anscheinend früher Feierabend – oder waren schon längst „verstärkt auswärts essen“.

Apropos Umverteilung: In London sollen große Teile der Innenstadt autofrei werden. Fußgänger und Radfahrer sollen mehr Platz bekommen. Ob Tische auf die Straße gestellt werden sollen, ist nicht bekannt.