Verleger berichtet treuherzig im eigenen Blatt: Holger Friedrich über seinen Besuch beim Welt-Sozialisten-Forum in Peking

In der „Berliner Zeitung“ platzierte Friedrich eine unkritische Wiedergabe der Konferenz. Unter anderem hieß es zur Lage der Uiguren, es gebe eine weltweite „Diskreditierungsmechanik“. Von Margarethe Gallersdörfer.

Verleger berichtet treuherzig im eigenen Blatt: Holger Friedrich über seinen Besuch beim Welt-Sozialisten-Forum in Peking
Foto: dpa/Britta Pedersen

Stabil irrlichtert weiterhin Holger Friedrich, Verleger der Berliner Zeitung. Der Mann mit der aufregenden Vergangenheit war auf der 13. Konferenz des Welt-Sozialisten-Forums in Peking, und erstattete dann im Besitzblatt rührend treuherzig Bericht aus dem Bruderstaat. Nun hätte ich gern weitergemacht mit „Und zwar so, wie wir’s gelernt haben im Roten Kloster!“ – aber das hat die legendäre DDR-Journalismus-Kaderschmiede einfach nicht verdient. Zitiert sei stattdessen eine Kollegin: „Das liest sich ja wie unsere Model-UN-Berichte damals.“ Ein paar Highlights:

„Die chinesische Seite war mit beachtlichen 120 Teilnehmern vertreten (…) Die Teilnahme von Vertretern des Zentralkomitees stellte eine deutliche Aufwertung der Veranstaltung im Vergleich zu den Vorjahren dar.“

„Auch die durch den Vorwurf von Menschenrechtsverstößen belastete Kontroverse zur uigurischen Minderheit fand Eingang in den Diskurs. So wurde dargelegt, wie der deutsche Aktivist Adrian Zenz von westlichen Institutionen aufgebaut wurde, um das Uiguren-Thema weltweit in einer Diskreditierungsmechanik zu positionieren.“

Und der krönende Abschluss: „Auf die Ausführungen des Moskauer Wissenschaftlers Alexey Vinogradov in Peking zurückkommend: Ein Versionsupdate des ,Marxismus 2.0‘ könnte demnächst verfügbar sein.“

Also ja, äh. Vielleicht könnte man bei dem hausinternen Volontariat, das Friedrich absolviert haben will, … nachschärfen? Wobei: Erst am Ende des Texts erfährt die geneigte Leserin, Friedrich sei selbst Referent auf der Konferenz gewesen. Was er dargeboten hat: leider nicht überliefert. Auch egal. Den Seriositätsverlust in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf. Danke an Ralf Fuecks, der’s zuerst sah!