Schlechtes Vorbild

Und während die Grundschüler bereits am Küchentisch alphabetisiert werden, lädt Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) am Donnerstag zu einer digitalen Runde mit Wirtschaftsleuten und Gewerkschaften, um sich zum Thema Homeoffice auszutauschen und „nach Möglichkeiten zu suchen, wie die Kontakte am Arbeitsplatz und auf dem Weg dahin noch weiter reduziert werden können“. Eine Runde, die in dieser Form übrigens zum ersten Mal stattfindet.

Aber wie soll die Politik auch Vorbild sein bei einem Thema, bei dem sie selbst derart versagt. Nur zehn Prozent der 120.000 Verwaltungsmitarbeitenden sind überhaupt in der Lage, im Homeoffice zu arbeiten, in vielen Behörden hat sich der Alltag in den vergangenen Wochen kaum verändert. In der Verwaltung sei man „weit entfernt“ davon, dass Beschäftigte monatelang nicht ins Büro gehen müssten, wie es in der Privatwirtschaft vielfach die Regel sei, sagt Gerhard Hammerschmid, Direktor beim Digital Governance Center der Hertie School, die gerade eine Studie zum Thema veröffentlicht hat. Ergebnis: Nicht nur die fehlende Ausstattung ist das Problem, sondern: „Die bestehende Verwaltungskultur ist eine sehr starke Präsenzkultur.“

Bleibt der öffentliche Nahverkehr als offene Viruslast, der allerdings laut BVG eigentlich nur noch genutzt wird, um die verbliebenen Menschen zur Präsenzarbeit zu bringen. „Wir sind spürbar unter der Hälfte der normalen Fahrgäste angelangt“, sagte BVG-Sprecherin Petra Nelken am Abend. „Wir freuen uns sehr darüber, dass sich – bis auf wenige Ausnahmen – die Fahrgäste an die Regeln halten und aufeinander Rücksicht nehmen.“ Allerdings sind das immer noch deutlich mehr Menschen als die 30 Prozent im März.
 
Ramona Pop will das Thema Präsenzarbeit heute im Senat zumindest ansprechen. Prognostizierter Bewegungsradius bei diesem Thema: 0 km.