Der Nachweis der Schwarmidiotie

Berlin ist bisher gut durch die Krise gekommen. Doch das Wochenende hat gezeigt: Viele nehmen Covid-19 nicht ernst. Ein Kommentar aus dem Checkpoint. Von Lorenz Maroldt

Der Nachweis der Schwarmidiotie
Foto: Christophe Gateau/dpa

Unser Dank geht heute zu Beginn dieser Woche an die freiwilligen Teilnehmer*innen des Experiments „Nachweis der Schwarmidiotie“ – Sie können jetzt nach Hause gehen: Das Robert-Koch-Institut vermeldet: Der R-Faktor (auf Datengrundlage geschätzt) steigt wieder und liegt jetzt seit zwei Tagen über dem kritischem Reproduktionswert 1


Vom Abstandsgebot war am Wochenende in Berlin nicht mehr viel übrig: Auf den Wegen entlang der Spree in Mitte drängten sich Spaziergänger, Jogger, Skater und Radfahrer eng aneinander vorbei, am Alexanderplatz trafen Shopper auf Spinner. Und auf den Straßen von Kreuzberg, Neukölln und Friedrichshain sah es trotz der Corona-bedingten Restriktionen vor vielen Kneipen fast so aus wie immer – in großer Runde wurde mit Flaschenbier angestoßen. Der einzige Unterschied: Niemand musste rein für die nächste Bestellung, der Gastwirt reichte den Nachschub durchs Fenster.

Ähnlich das Bild vor Imbissbuden und Schnellpizzerien – Nebeneffekt der Außer-Haus-Gastronomie: die neuen Müllberge auf der Straße. Das rasante Wachstum eines besonders eindrucksvollen Exemplars in Neukölln dokumentiert hier „Morgenpost“-Kollege Alexander Dinger.
 


Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci sagte dem Checkpoint am Sonntagabend: „Ich mache mir große Sorgen. Viele Leute sind zu unvorsichtig, denen ist nicht bewusst, wie gefährlich die Krankheit ist.“ Dennoch steht Berlin bisher verhältnismäßig gut da – wohl deshalb, weil z.B. frühzeitig die ITB abgesagt wurde und der Senat nach einem zwischenzeitlichen Zögern klare Einschränkungen verordnete. Von heute an ist auch die Reserveklinik auf dem Messegelände betriebsbereit. Aber es geht auch bei Medizinern die Sorge um, dass der Vorsprung verspielt werden könnte.