Senator Behrendt will sich nicht von Staatssekretär kritisieren lassen
Justizsenator Dirk Behrendt möchte sich politisch nur noch standesgemäß duellieren – im Senat forderte er zu Beginn der Sitzung den Regierenden Bürgermeister auf, dafür zu sorgen, dass er nicht mehr von Staatssekretären kritisiert wird. Hintergrund ist der Streit um Tierversuche (CP vom 16. und 17.11.). Staatssekretär Steffen Krach hatte am Montag im Ausschuss gesagt: „Ich habe es satt, dass die Wissenschaftler für ihre Forschung kritisiert werden“, und „Die Wissenschaft ist keine Spielwiese für ideologisches Wunschdenken.“ Das durfte Behrendt auf sich beziehen – Müller kündigte genervt ein Chefgespräch an.
Später am Tag wurde es noch ein bisschen ungemütlicher für den Regierenden Wissenschaftssenator: Die Chefs von vier wichtigen Pharma-Unternehmen (Bayer, Pfizer, Sanofi-Aventis und Nuvisan ICB) beschwerten sich schriftlich beim Senatschef über Behrendt – dessen neue Beauftragte Kathrin Herrmann hatte angekündigt: „Ein tierschutzpolitischer Fokus Berlins ist es, die Hauptstadt der tierfreien Forschungsmethoden zu werden.“ (Q: PM 87/2020). Die Manager sehen einen Zusammenhang mit der verschleppten Neubesetzung der Tierversuchskommission und weisen darauf hin, dass die Pharma-Unternehmen gesetzlich zu Tierversuchen verpflichtet sind (bevor sie an Menschen herumexperimentieren). Setze sich Behrendt durch, bedeute das „das Ende jeglicher präklinischer pharmazeutischen Forschung in Berlin“ – die Folge wäre eine Abwanderung der Wissenschaft, der Traum vom Forschungsstandort wäre aus, Nobelpreise wie der für Emmanuelle Charpentier würden künftig anderswo gefeiert.
Im Regierungsvertrag heißt es übrigens zum Thema auf Seite 90: „Die Koalition will Tierversuche auf das absolut notwendige Maß reduzieren“ (was da nicht steht: abschaffen). Mehr zum Thema und dem Brandbrief der Unternehmen gibt’s am Vormittag auf tagesspiegel.de und am Abend in unserem E-Paper.