Neue Senatorinnen und Senatoren im Checkpoint-Porträt

Fast schon nicht mehr erstaunlich ist, dass bei der Bekanntgabe der künftigen Senatorinnen und Senatoren eher die CDU als die SPD durch mutige Diversität besticht. Hier eine Übersicht über die künftigen Regierenden der deutschen Hauptstadt – und ihre diversen Wege ins Amt:

Regierender Bürgermeister – Kai Wegner (CDU): In Spandau aufgewachsen, in der CDU erwachsen geworden, einte er die viele Jahre zerstrittene Landespartei und setzte bei der Wiederholungswahl auf die Stimmung in den autofreundlichen Außenbezirken. Wird besonders an seinem Versprechen gemessen werden, dass Berlins Verwaltung bald wieder funktioniert.

Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe sowie Bürgermeisterin – Franziska Giffey (SPD): Geboren in Frankfurt (Oder) und groß geworden in der DDR kam sie zum Studieren nach Berlin. Sie überzeugte als Neuköllner Bezirksbürgermeisterin, fiel als Bundesfamilienministerin über ihre plagiierte Doktorarbeit und als Regierende Bürgermeisterin über die von der SPD politisch zu verantwortende Wiederholungswahl. Erhofft sich als Wirtschaftssenatorin weniger Sorgen. 

Senator für Finanzen – Stefan Evers (CDU): Ursprünglich aus Paderborn kam er in Berlin zur Politik. Selbst in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft lebend setzte er sich in der CDU für die Ehe für alle ein. Als Generalsekretär predigte er seiner Partei mehr Bürgernähe und organisierte die erfolgreiche Kampagne zur Wiederholungswahl. Hat mit seinem Amt eine große Vetomacht.

Senator für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen – Christian Gaebler (SPD): Geboren und sozialisiert im Berliner Westen ist der Ingenieur und Restaurantbesitzer vielfach vernetzt. Einen Namen machte er sich als Verkehrspolitiker, als früherer Staatssekretär kennt er die große Stadtentwicklungsverwaltung bestens. Dem langjährigen Chef der Senatskanzlei ist kein Berliner Problem fremd. Nun soll er das wichtigste lösen und bezahlbaren Wohnraum schaffen.

Senatorin für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt – Manja Schreiner (CDU): Geboren in Wismar mit Lebensstationen in Rostock und Kairo arbeitete die Juristin lange in Wirtschaftsverbänden. Als Hauptgeschäftsführerin der Fachgemeinschaft Bau setzte sie sich gegen Regulierungen beim Neubau ein. In Verkehrs- und Umweltfragen ist sie noch keine Expertin.

Senatorin für Inneres und Sport – Iris Spranger (SPD): Geboren in Halle (Saale) erlebte sie den Umbruch als Jura-Studentin in Ost-Berlin. Als frühere Staatssekretärin für Finanzen und erste Frau an der Spitze der Innenverwaltung kennt sie die Fallstricke der Berliner Politik, im Amt gewann sie die Anerkennung vieler Rettungskräfte. Will sich durch eine weiterhin störungsarme Politik in der SPD unverzichtbar machen.

Senatorin für Justiz und Verbraucherschutz – Felor Badenberg (parteilos, für CDU): Geboren in Teheran kam die Iranerin mit zwölf Jahren nach Deutschland. Nach ihrem Jura-Studium in Köln machte sie Karriere beim Bundesamt für Verfassungsschutz, baute die Cyberabwehr auf, bekämpfte den Rechtsextremismus und sorgte für die Einstufung der AfD als Verdachtsfall. Die Vizepräsidentin des Amtes genießt parteiübergreifend Respekt – ihre Berufung ist ein Coup der CDU.

Senatorin für Integration, Arbeit, Soziales, Vielfalt und Antidiskriminierung – Cansel Kiziltepe (SPD): Geboren und groß geworden in West-Berlin arbeitete die Tochter türkischer Eltern als Volkswirtin. Für die SPD trat sie im Bundestag für eine gewerkschaftsnahe Politik sowie mehr Steuergerechtigkeit ein. Sie könnte sich neben der fortdauernden Integration Geflüchteter als Stimme von Mieterinnen und Mietern etablieren.

Senatorin für Bildung, Jugend und Familie – Katharina Günther-Wünsch (CDU): Geboren in Dresden erlebte sie den Mauerfall mit sechs Jahren. Als Lehrerin unterrichtete sie auch in Namibia und Südafrika. In Neukölln stieg sie zur Schulleiterin auf, in Marzahn-Hellersdorf machte sie Kommunalpolitik. Mit ihr und erstmals seit 27 Jahren ohne SPD-Leitung soll in der Schulpolitik endlich alles besser, zumindest weniger chaotisch werden.

Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit, Pflege und Gleichstellung – Ina Czyborra (SPD): Geboren und sozialisiert im Berliner Südwesten machte die Archäologin in der Berliner SPD eine lange Karriere. Die Landesvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt ist auch in Wirtschaftskreisen gut verdrahtet. Im heiklen Gesundheitsbereich ist sie allerdings noch nicht aufgefallen.

Senator für Kultur, Zusammenhalt, Engagement- und Demokratieförderung – Joe Chialo (CDU): Geboren als Sohn einer tansanischen Diplomatenfamilie wuchs er in Bonn auf. Zunächst Fräser und Türsteher kam er als Sänger von Hardrock-Bands in die Musikbranche. Hier baute er Labels auf, war Jurymitglied beim Eurovision Song Contest. Politisch wechselte er von den Grünen zur CDU, kandidierte in Spandau und wurde von der Bundespartei gefördert. Nun muss er seine Stimme in der Verwaltung hörbar machen.

Noch mehr über Berlins Regierungsmannschaft inklusive der neuen Staatssekretärinnen und Staatssekretäre finden Sie hier, alles über Stärken und Schwächen der Senatsmitglieder erfahren Sie hier, alles über den Abschied im Wirtschaftsressort lesen Sie hier, alles über den Neuanfang in der Bildungsverwaltung entdecken Sie hier.

In diesem Anfang liegt zumindest kein Zaudern inne.