Wir sind am Ende! Offener Brief eines Berliner Vaters
Warum es für viele nicht mehr lange so weitergehen kann wie seit Dezember, veranschaulicht dieser offene Brief eines Berliner Vaters. Obinna van Capelleveen ist 34 Jahre alt, seine beiden Kinder sind 1,5 und 4,5 Jahre alt. Wir veröffentlichen sein Schreiben auszugsweise:
„Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, sehr geehrter Herr Regierender Bürgermeister,
als in Vollzeit arbeitende Eltern zweier Kitakinder möchten wir Ihnen sagen: Wir können nicht mehr. Wir sind am Ende. Genau wie unzählige Familien in Berlin und in der gesamten Bundesrepublik. (…) Als Eltern, welche die Pandemie sehr ernst nehmen und unserer gesellschaftlichen Verantwortung im Kleinen gerecht werden wollen, haben wir getan, was wir konnten. Auf die Zähne gebissen, unsere Kinder zu Hause betreut, weitergearbeitet, von früh morgens bis spät nachts. Wieder und wieder.
(…) Wir unterstützen ausdrücklich Ihre Zielsetzung, die Verbreitung des Virus mit allen notwendigen Mitteln zu bekämpfen. Aber unsere Leidens- und Leistungsfähigkeit, Arbeit und Kinder unter einen Hut zu bringen, ist erschöpft. Wir scheitern daran, sowohl der Fürsorge für unsere Kinder als auch unserer beruflichen Verantwortung gerecht zu werden – von uns selbst als Ehepaar und als Individuen ganz zu schweigen. Daher bitten wir Sie eindringlich: Öffnen Sie die Kitas und Grundschulen für alle Kinder – jetzt!
Nicht nur für Familien ist diese Pandemie eine Zumutung, sondern für uns alle, für unser gesamtes gesellschaftliches und wirtschaftliches Leben. Doch das, was in manchen wirtschaftlichen Bereichen zumindest ein wenig Linderung verschaffen kann – Kurzarbeit, Überbrückungshilfen und einiges mehr – gibt es für Familien nicht. Die verlorene Zeit ohne pädagogische Betreuung und gleichaltrige Kinder lässt sich nicht „überbrücken“. Und eine „Familie in Kurzarbeit“ ist irgendwann keine Familie mehr.“