Tabellen, Listen, Datenschutz: Die weltexklusive Chronik des Berliner Corona-Meldewesens

Wo wir schon beim Thema Corona sind: Die Inzidenzen steigen – mal wieder (in Berlin: 432,2). Meine Kollegin Helena Wittlich ist immer eine der ersten, die das merkt – seit Pandemiebeginn betreut sie das Tagesspiegel-Coronadashboard, kaum jemand kennt die Corona-Zahlen besser. Für den Checkpoint hat sie die weltexklusive Chronik des Berliner Corona-Meldewesens aufgeschrieben:

März 2020. Es beginnt mit einer Liste. Darauf: Angaben zum Verbleib der ersten Patienten. Berlin sticht durch Diversität hervor, gleich mehrere Arten der Isolation gibt es. Manche sind „Zuhause isoliert“, andere „häuslich“, wieder andere schlicht „isoliert“ (verschrocken zu Hause sitzende Nichtinfizierte nicht mitgezählt). Nach dem 48. Patienten (Pressemitteilung vom 9.3.2020) ist Schluss, denn ab dem 11. März besteht Berlins Corona-Report aus Bildern (Beispiel hier). Anfang April: Tabellen! Neu dabei sind die aus den verschiedenen Isolationen Entlassenen, also Genesene. Zwar trudelt das Update, das eigentlich für 17 Uhr angekündigt ist, manchmal erst um 21 Uhr ein, aber egal. Am 31. August 2020 stellt Berlin – wie schon viele Bundesländer davor – ein Dashboard bereit. Und hat eine Überraschung im petto: Die Toten pro Bezirk, die der Tagesspiegel zuvor nicht haben konnte, wegen „Datenschutz“, was sonst (obwohl das RKI diese Zahlen längst meldete).

Es beginnt die Phase der Stabilität, lange bleibt alles, wie es ist. Am 7. Juni 2022, kurz nachdem sie aufhörte, am Wochenende überhaupt zu melden, wagt die Hauptstadt den krönenden Abschluss, einen futuristischen, bisher weltweit einzigartigen Schritt: Ab sofort meldet Berlin die Coronazahlen der Zukunft – schon am Vorabend sind die Zahlen des nächsten Tages im Dashboard zu bestaunen. So ist es bis heute, ähm, morgen. Und je höher die Inzidenz klettert, desto gespannter sind wir, was wohl als nächstes passieren wird.