SPD-Parteitag: Giffey gibt alles

Das ist besser als die „Heute-show“, jubelte der SPD-Abgeordnete Sven Kohlmeier über den digital-analogen Hybrid-Landesparteitag seiner Partei, und er resümierte: „Ernsthafte Demokratie und ein bisschen Parodie“. Und tatsächlich: Inmitten der Unterhaltungswüste, in die Corona Berlin verwandelt hat, stellte die SPD in einem beispiellosen Kraftakt ein respektables Programm mit Spurenelementen von videotechnischem Slapstick auf die Bühne.

Anders als sonst konnten sich die Redner nicht am Beifall berauschen – die Delegierten saßen zuhause mit einem Getränk in der Hand vor dem Rechner und kommentierten das Geschehen in privaten Chats und auf sozialen Netzwerken (einen Verlauf des Abend können Sie hier in unserem Blog nachlesen).

Michael Müller verabschiedete sich als Landesvorsitzender, blickte zurück auf seine größten Erfolge (… „und nebenbei haben wir auch 'nen Flughafen fertig gebaut“) – und bekam zum Abschied einen original Willy-Brandt-Warhol geschenkt.Unsere Kollegin Sabine Beikler beschreibt seinen Abgang so: „Michael Müller steht neben dem Bild, freut sich, hält einen Blumenstrauß in der Hand und verlässt das Podium, nachdem er sich eine schwarze Maske aufgesetzt hat.“ So endet eine Ära.

Andreas Geisel persiflierte aus Versehen Rudi Dutschke: „Michael, der Kampf geht weiter!“

Raed Saleh fand, dass es an Zeit war, sich bei den Migrantinnen und Migranten für Thilo Sarrazin zu entschuldigen.

Franziska Giffey tat, was sie am besten kann  als gäbe es ein „Gute-Rede-Gesetz“, schien sie die ganze Welt zu umarmen: „Ich trete an, Ihr könnt Euch auf mich verlassen – egal, was passiert und was die Leute sagen!“

Ein Delegierter beschwerte sich in seinem Wortbeitrag darüber, dass alles, was hinter geschlossenen Türen vertraulich besprochen wird, „immer gleich im Checkpoint steht“.