Lehrer kritisiert Unterricht im Wechselmodell
Die Lernfortschritte der Schüler klafften immer mehr auseinander, beklagt ein Berliner Lehrer. Das Schulpersonal sieht er wegen Corona sogar in Lebensgefahr. Von Lorenz Maroldt
Nach dem Lockdown-Hilferuf von Schülerinnen und Schülern (CP von gestern) heute mal das Gegenteil davon – gestern Abend erreichte uns ein Lockerungs-Hilferuf von Michael Gromotka, Lehrer an einem grundständigen Gymnasium (Auszug):
„Ich bin wirklich zutiefst empört und in Sorge. Wechselunterricht bedeutet eine Halbierung des Unterrichts für die Schüler, die bisher in Distanz voll unterrichtet wurden. Wechselunterricht für einige Schüler bedeutet (noch) weniger Unterricht für alle Schüler der Klassen, die weiter in Distanz bleiben. Die Kann-Option führt zu Chaos: Die Lernniveaus werden sich weit auseinanderentwickeln. Kein Lehrer kann gleichzeitig drei Typen Schüler in einer Klasse gleichwertig unterrichten (die in Präsenz, die in Wechseldistanz und die in dauerhafter Wunschdistanz). Und: Wir reden hier von einer Lebensgefahr vulnerabler Personen (neben Lehrerinnen u.a. auch Sekretariate und Hausmeister), die gegen das Bildungsrecht der Kinder abgewogen werden muss. Es besteht keine Impfperspektive für Lehrer über Klasse 3. Das finde ich wirklich empörend.“