Paar will Bezirk verlassen, weil es keinen Trauungstermin bekommt
Drum prüfe, wer sich ewig bindet – das scheint das Motto des Hellersdorfer Standesamts zu sein. Zwei Heiratswillige erhalten dort einfach keinen Termin. Von Daniel Böldt
Oft berichten wir hier, mal ernst, mal mit einem Augenzwinkern, vom Berliner Verwaltungschaos. Doch bei dem, was Annagul Beschareti und Igor Medvedev dem Checkpoint berichten, bleibt einem jeglicher Humor in der Tastatur stecken. Die beiden Marzahner:innen wollten eigentlich in diesen Sommerferien heiraten. Die Trauung hatten sie bereits im November 2021 beim Standesamt Marzahn-Hellersdorf beantragt – um sicher zu gehen. Sie ahnen, was jetzt kommt. Nein, kein Behörden-Ping-Pong, sondern ein Spiel gegen die Wand.
Acht E-Mails, zwei Briefe, zahlreiche Anrufe und der (gescheiterte) Versuch eines persönlichen Vorsprechens später sind Beschareti und Medvedev so schlau wie vor neun Monaten. Das Konkreteste, was sie erhalten hätten, sei der Tipp gewesen, doch in einen anderen Bezirk zu ziehen – weil es da vermutlich schneller gehe. Für Medvedev und Beschareti völlig unverständlich: Befreundete Paare, die sich deutlich später beim Standesamt gemeldet hätten, hätten mittlerweile einen Termin.
Ein Grund dafür könnte sein: Bei der geplanten Trauung handelt es sich um eine sogenannte (Achtung, furchtbarer Begriff) „Eheschließung mit Auslandsbeteiligung“. Der Bezirk Marzahn-Hellersdorf teilt auf Checkpoint-Anfrage mit, dass solche Fälle „wegen der Einbeziehung ausländischen Rechts deutlich komplexer“ seien, weswegen es zu längeren Bearbeitungszeiten kommen kann. Ohnehin komme es derzeit „aufgrund anhaltender erheblicher Personalengpässe […] zu deutlichen Verzögerungen bei Anmeldungen zur Eheschließung“. Traurige Folge für Marzahn-Hellersdorf: Beschareti und Medvedev wollen den Bezirk nun tatsächlich verlassen.