Bürgermeisterkandidat löscht akademischen Titel von Webseite – Verfahren eingeleitet

CDU-Mann Michael Wegner hatte als Honorarprofessor der rumänischen Universität Pitesti firmiert. Dort kannte man ihn aber nicht. Die Verwaltung prüft nun den Fall. Von Lorenz Maroldt

Bürgermeisterkandidat löscht akademischen Titel von Webseite – Verfahren eingeleitet
Für den Eimer? Michael Wegners Professorentitel ist von seiner Internetseite jedenfalls wieder verschwunden. Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Blech:

Da hatte sich in dieser Woche „Netto“ selbst nominiert – wer seine Kunden beim Parken so abzockt wie die Supermarktkette (CP v. 6.u.7.9.), könnte sich am Ende bruttol verrechnet haben.

Auch die Verkehrsverwaltung bettelte geradezu um die Blechmedaille: Wer 3000 Kilometer Radwege verspricht, aber schon an 700 Metern auf der Heerstraße scheitert, ist dafür ja auch prädestiniert. Geplant wird hier seit 2017, verschoben wurde der Baubeginn erst auf 2019, dann auf 2020, auf 2021, 2022, 2023, 2024 – und jetzt sind wir schon bei 2026 (alle Details gibt’s hier).

Aber in dieser Woche hängen wir die Blechmedaille dem Reinickendorfer CDU-Bürgermeisterkandidaten Michael Wegner um den Hals – als Ersatz für den Professorentitel, der still und leise von seinem Profil auf der CDU-Website verschwunden ist. Vor einem Jahr hatte Wegner behauptet, die rumänische Universität Pitesti habe ihm den Titel verliehen – doch dann berichtete der Checkpoint darüber, was die für Internationales zuständige Vizepräsidentin der Hochschule Corina Amelia Georgescu dazu sagte: „Ich konnte Herrn Michael Wegner nicht in den Aufzeichnungen finden, die uns für die vergangenen zehn Jahre zur Verfügung stehen.“

Die Sache ist heikel: Wer einen akademischen Titel zu Unrecht führt, macht sich strafbar.

Doch über Monate tat sich nichts in dieser Angelegenheit – die SPD war mit eigenen Titelproblemen beschäftigt, und auch die für Wissenschaft zuständige Senatskanzlei rührte sich nicht. Aber jetzt, kurz vor der Wahl, stellt sich heraus: Die Verwaltung hat eine Überprüfung des Vorgangs eingeleitet:„Wie in solchen Verfahren üblich, wurde vom Betroffenen zunächst die Vorlage eines Nachweises über die Berechtigung zur Titelführung angefordert und ihm wurde Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben“, teilte ein Sprecher nach mehrmaliger Nachfrage mit.

Normalerweise haben die Betroffenen ein großes Interesse daran, das Thema schnell vom Tisch zu bekommen – sie senden den Prüfern Belege ein. Doch das ist bei Wegner bisher nicht der Fall. Auch dem Checkpoint verweigerte der CDU-Kandidat die Einsicht in Unterlagen (wenn es denn welche gibt). Stattdessen verzögert er das Verfahren: Nach Checkpoint-Informationen hat Wegner Akteneinsicht verlangt. Damit dürfte aus seiner Sicht zumindest eines sichergestellt sein: Vor der Wahl wird es hier keine Klarheit geben.