Interview mit Klaus Lederer

Interview-Termin mit dem Bürgermeister und Senator Klaus Lederer an seinem Amtssitz in der Brunnenstraße – wir sprechen u.a. über seine Zweifel an der Corona-Politik, identitätspolitische Debatten bei den Linken und die Wiederentdeckung der Kultur nach der Pandemie. Das Gespräch erscheint in voller Länge im Tagesspiegel, hier schon mal einige Auszüge:

+ Über Sahra Wagenknecht: „Ich finde, sie sucht sich die falsche Baustelle. Emanzipatorische Debatten sind absolut notwendig. Sie müssen aber zusammen geführt werden mit den Debatten über gesellschaftliche Ungleichheit, dann verstärken sich beide gegenseitig.“

+ Über Antidiskriminierung: „Individuelle Betroffenheiten, individuelle Perspektiven sind ein wichtiger Ausgangspunkt für Debatten, aber es muss ein kommunikativer Austausch möglich bleiben, sonst werden alle auf sich selbst zurückgeworfen.“

+ Über kulturelle Aneignung: „Die Produktion von Kunst ist immer auch ein Stück weit Aneignung. Die Frage ist, welche strukturellen Ungleichheiten durch diese Aneignung zementiert oder aufgebrochen werden können.“

+ Über die Corona-Maßnahmen: „Ich fand es völlig daneben, den kompletten Sektor der Künste wie eine allgemeine Freizeitbeschäftigung zu behandeln, wie einen Spaß, auf den wir jetzt eben mal verzichten müssten, während das Zerlegen von Schweinehälften selbstverständlich unangetastet blieb.“

+ Über die Initiative „Draußenstadt“: Aus manchen Bezirken haben wir überhaupt kein Feedback bekommen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es z.B. in Reinickendorf nicht eine einzige Fläche gibt, die wir im Sommer bespielen könnten. Das ist einfach nur Unwille oder Überlastung nach dem Motto: Lasst uns in Ruhe mit dem Kram. Offenbar wird Draußen-Kultur da als Störung oder Zumutung gesehen.“