Immo-Prosa aus Kreuzberg, Teil I
Die Wohnung befinde sich wegen der teuren Sanierung „jenseits des Mietspiegels“. Der Eigentümer sei „Wohnungsliebhaber“, sagt der Geschäftsführer. Von Lorenz Maroldt.
Wir kommen zu unserer beliebten Rubrik „Immo-Prosa“ – heute im Wettbewerb: die „Bewocon“ (Motto: „Wohnen heißt Mensch sein“). Der Checkpoint-Jury imponierte vor allem folgender Satz aus dem Prospekt: „Die wahre Lebenskunst besteht darin, im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen.“ Na, dann schauen wir doch mal auf das Alltägliche – wir haben dafür folgendes „Bewocon“-Inserat herausgesucht: „Riehmers Hofgarten – klassischer Altbau im Herzen Kreuzbergs: 165,81 Quadratmeter für 4642,68 Euro kalt (Warmmiete 5062,68). Macht einen qm-Preis von 28 Euro – ist das nicht wunderbar?
Schnell mal durchgerechnet… selbst im Maximalfall (alles vom Feinsten) ist das dreimal mehr als der letzte Mietspiegel hergibt. Baustadtrat Florian Schmidt nennt das deswegen „Wucher“. Die FDP würde dagegen wohl sagen: „Das regelt der Markt.“ Aber was sagt die „Bewocon“? Im Prospekt steht schließlich was von „Offener Kommunikation“. Und tatsächlich, am Ende des Herrentags antwortete der Geschäftsführende Gesellschafter Karl Jürgen Zeller persönlich auf unsere Fragen, und zwar nüchtern:
1. „Die Bewocon agiert hier als Dienstleister im Auftrag eines Privateigentümers.“
2. „Der Eigentümer, ein privater Immobilienliebhaber, hat aktuell mehrere Tausend Euro pro qm in die umfassende Kernsanierung dieser Immobilie investiert. Die Immobilie befindet sich damit in einer Wohnungsklasse, die nicht mehr vom Mietspiegel erfasst wäre, sofern dieser weiterhin Gültigkeit hätte.“
3. „Nach geltendem Bundesrecht ist Berlins neuer Mietspiegel ungültig.“
4. „Der Eigentümer verlangt gem. den oben aufgeführten Begründungen eine regel- und rechtskonforme Marktmiete.“