Sag beim Abschied lauthals servus: Darum haben Berlinerinnen und Berliner ihre Stadt verlassen

Diese Checkpoint-Umfrage sprengte (beinahe) unser E-Mail-Postfach: Warum haben Sie Berlin verlassen? Hier eine Selektion der abtrünnigen Berlin-Ausreißer. Von Lotte Buschenhagen und Daniel Böldt

Sag beim Abschied lauthals servus: Darum haben Berlinerinnen und Berliner ihre Stadt verlassen
Ob „Ich scheiß auf Berlin“ für alle gilt, die der Hauptstadt den Rücken kehrten, ist trotz Umfrage nicht abschließend geklärt. Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Aber hier leben? ... nein danke! Mein Kollege Stefan Jacobs fragte gestern nach Exil- und Reißaus-Geschichten ehemaliger Berliner:innen – und hat offensichtlich einen Nerv getroffen. Eine Best-of-Auswahl der wirklich vielen, vielen E-Mails, die uns erreicht haben:
 
- „Ich bin eher froh, der Wurstigkeit und teilweisen Dreistigkeit der Stadt entkommen zu sein. Ein Senat, der den Berlin Marathon auf den Wahlsonntag legt und sich dann wundert, dass nischt klappt, hat mich nicht verdient.” 

- „Irgendwann begab ich mich auf die Suche nach der äußeren Ruhe, natürlichen Farben, anderen Düften… Weit musste ich nicht gehen, ich rieche Kiefern, schmecke Spargel, spüre Weite, atme Wald… bin angekommen in Brandenburg und habe keinen Tag bereut, den ich Berlin losließ.“

- „Baustellen ohne Ende, Dreck, chaotische Verkehrspolitik, etc. Ich vermisse das nicht. Aber ich liebe meine Geburtsstadt und wehe, jemand anderes macht sie madig!“

- „Ein großer Teil dessen, was Berlin so angenehm, entspannt und schön gemacht hatte; die Schluffigkeit, der Idealismus, das ewig spielerische, improvisierte und nie so ganz ernst gemeinte Ausprobieren hat die Stadt zum perfekten Opfer für Leute gemacht, die einfach einen Zacken schärfer drauf waren als wir. Tja, und jetzt ist fast alles weg vom Charme der frühen Jahre, dafür ist alles voller, krasser, geiler.“

- „Wir haben festgestellt, dass das Berlin, das uns Mitte bis Ende der 2000er Jahre so begeistert hatte, längst nicht mehr da ist. Man hat das Gefühl, dass die Stadt inzwischen ‚erwachsen‘ worden ist.“

Bevor Sie nun das Grauen packt und Sie die Stadt lieber heute als morgen verlassen wollen, rufen wir schnell zum Gegenbeweis auf. Sie sind kürzlich nach Berlin gezogen? Sie bleiben, obwohl ein anderes Leben lockt? Erzählen Sie uns, warum und schreiben Sie an: checkpoint@tagesspiegel.de.