Streit über Präsenzunterricht

Michael Müller beklagte nach dem Treffen, dass die Länder „in Schalten sonntagabends um 23 Uhr“ über Vorlagen aus dem Kanzleramt beraten müssten. Im „Heute Journal“ zoffte sich Moderator Klaus Kleber mit NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP) um die Frage, ob am Präsenzunterricht aus vernünftigen Gründen oder nur mangels Vorbereitung und Technik der Schulen festgehalten wird. In den „Tagesthemen“ sprach die Virologin Isabella Eckerle von „verschenkter Zeit“ angesichts der vertagten Beschlüsse. Beide Sendungen zeigten Schulen, die fit wären für teilweisen Heimunterricht, aber politisch zu vollem Präsenzbetrieb angewiesen sind – während Hunderttausende Kinder in Quarantäne zu Hause sitzen. Geht es nach der Kanzlerin, können sie sich dort überlegen, welchen Freund sie im Dezember noch regelmäßig treffen wollen. Beunruhigend ist diese umstrittene Forderung Merkels auch, weil die Kanzlerin sie erfahrungsgemäß nicht aus Streitlust erhebt, sondern aus Erkenntnis der Lage.