Regionale Bedürfnisse und Schildbürgerstreiche

„Regionale Bedürfnisse“ – Dieses Begriffspaar dürfte die „Öffnungsorgie“ als (etwas weniger sinnliches) Buzzword der nächsten Tage ablösen. Die Ministerpräsidenten wollen heute eine neue Anti-Pandemie-Strategie beschließen. Sie soll deutlich lokaler ausgerichtet sein als die bisherige. Der Flickenteppich wird System. Zauberformel: 35/50. Das bedeutet: neue Restriktionen sollen künftig von der Zahl der Neuinfektionen abhängig sein. Im ländlichen Raum wird die Grenze bei 50 neuen Fällen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen liegen. In Großstädten sollen ab mehr als 35 neuen Infektionen je 100.000 Einwohner Regeln verschärft werden. Checkpoint-Rechner angeschmissen: Die Neuinfektionsrate in Berlin lag in den vergangenen sieben Tagen (Datenstand vom 05. Mai, 12 Uhr) bei knapp sieben Covid-19-Fällen pro 100.000 Einwohnern. Toi, toi, …! Allerdings soll hier künftig gelten, was Berliner schon immer wussten: Jeder Bezirk wird als eigene Stadt gezählt. Kleines Kopfkino: Auf der Kreuzberger Seite des Kottbusser Damms sind alle Läden wegen eines lokalen Corona-Ausbruchs vernagelt wie am ersten Mai („Aus Gründen geschlossen“), während auf der Neuköllner Seite fleißig geshoppt wird („NEU Eröffnung: Kebap 1,50 Euro NEU“). Schildbürgerstreiche, die uns hoffentlich erspart bleiben. Wie die Berliner Regeln momentan aussehen, was wieder geöffnet ist und was besser noch geschlossen bleibt, können Sie hier nachlesen.