Unsere Berlinerinnen und Berliner der Woche
So, und wer sind nun unsere Berlinerinnen und Berliner der Woche?
Bronze geht an die tapferen Menschen, die sich klaglos von der Verkehrssenatorin und dem Bürgermeister von Mitte für deren Symbolpolitik als „Flaneure“ vereinnahmen lassen, nur weil sie auf der öden Friedrichstraße, die auch ohne Autos durch nichts zum Leben erweckt wird, mal kurz was erledigen müssen. Gerade wurde beschlossen: Das bleibt jetzt so. Kann man machen, nur mit „Verkehrswende“ hat das nichts zu tun.
Silber bekommt der Innenausschuss, der die entscheidenden Fragen zu den Wahlpannen sehr präzise und der Würde der Sache angemessen herausgearbeitet hat. Der Innensenator hat für seine Entschuldigung auch was verdient. Aber er bekommt ja schon ein Gehalt dafür, um das zu tun, was in seiner Verantwortung steht.
Gold geht in dieser Woche an Margot Friedländer – die Holocaust-Überlebende und Ehrenbürgerin der Stadt feiert zwar erst am 5. November ihren 100. Geburtstag, aber am Donnerstag wurde im Roten Rathaus der Porträtband „Ich lieb’ Berlin“ vorgestellt, für den sie noch einmal Schauplätze ihres Lebens besucht hat.
Blech war wie immer die leichteste und die schwerste Kategorie zugleich. Die leichteste, weil sich dafür so viele Leute bewerben. Die schwerste, weil wir da schon wieder wählen mussten.
Sehr lachen mussten wir über Mönchengladbach, deren Ämter die unbeliebtesten von ganz Deutschland sind. Und auch eine Schlagzeile der „Abendzeitung“ hat uns prächtig amüsiert: „Schlechter als Berlin – Münchens Behörden: Mangelhaft!“ Berlin schneidet bei der Umfrage allerdings nur deswegen so gut ab (immerhin Platz 12), weil wir Mitleid mit den fast immer freundlichen Beschäftigten haben (und die können ja nun wirklich nichts dafür).
Blech verdient hätten auch die Kreuzberger Klassenkämpfer, die während und nach der Räumung des Bauplatzes an der Köpenicker Straße Polizisten mit Steinen bewarfen, Autos anzündeten und Läden demolierten – sie hätten sich die Auszeichnung allerdings teilen müssen mit einigen Beamten, die Journalisten an ihrer Arbeit zu hindern versuchten und zum Teil mit nicht nachvollziehbarer Gewalt auf Demonstranten einschlugen.
Entschieden haben wir uns dann aber doch für den Spandauer Bürgermeister Helmut Kleebank (SPD) und seinen Stellvertreter Gerhard Hanke (CDU). Beide feiern bald ihren Abschied mit hochrangigen Gästen – die in der Einladung gebeten werden, Spalier zu stehen. Fehlt eigentlich nur noch, dass Kleebank und Hanke mit Reis beworfen werden – und ihre Nachfolger per rückwärtigem Blumenstraußwurf ermitteln.