Die Gedenkfeiern machen Berlin menschlicher
Seit anderthalb Jahren organisieren immer mehr Initiativen Gedenkfeiern für behördlich Bestattete. Ein schönes Signal. Ein Kommentar aus dem Checkpoint. Von Lorenz Maroldt.
Vor anderthalb Jahren fragte der Checkpoint, warum es in Berlin keine Trauerfeiern gibt für Menschen, um die sich weder Freunde noch Verwandte kümmern und die deshalb behördlich bestattet werden. Die Antwort bestand aus dem ortsüblichen Dreiklang „Nicht vorgesehen“, „Nicht zuständig“ und „Nicht budgetiert“. Doch damit wollten sich einige Bürgerinnen und Bürger, ein Amtsleiter, ein Stadtrat und ein Pfarrer in Reinickendorf nicht abfinden: Sie luden einfach ein zum würdevollen Gedenken an jene, deren Asche im Laufe des Jahres ohne jegliche Zeremonie vergraben wurde.
Seitdem haben sich ähnliche Initiativen gegründet, und jetzt lädt auch das Bezirksamt Neukölln zu einer ersten Feier im Gedenken an behördlich Bestattete ein: Am 19. Januar werden, begleitet von Musik und literarischen Texten, in der Philipp-Melanchthon-Kirche die Namen der Toten verlesen (Kranoldstraße 16, ab 17 Uhr). Es ist schön zu sehen, wie engagierte Bürgerinnen und Bürger eine kleine Idee aufgreifen, die Hürden der Bürokratie unterlaufen und die Stadt so ein bisschen menschlicher machen. Team Checkpoint sagt Danke.