Lesen und Schreiben mangelhaft: Hohe Berliner Schulabbrecherquote – auch aufgrund fehlender Deutsch-Fähigkeiten
Ein Drittel der Schüler erreicht keine Mindeststandards und ein Fünftel ist nicht berufsbildungsfähig. Ein Projekt für Kitas will anpacken und sucht Unterstützer. Von Lorenz Maroldt.
Wir kommen zur Reihe „Theorie vs. Praxis“, Thema heute: Schulabbrecher wegen mangelnder Fähigkeiten u.a. im Fach Deutsch.
Theorie: „Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie hat umfangreiche Maßnahmen zur sprachlichen Förderung und Bildung entwickelt und umgesetzt, die in der Kita beginnen und in der Schule fortgesetzt werden.“ (Sts Alexander Slotty, Drucksache 19/11131).
Praxis: Die Zahl der Schulabbrecher ist heute höher als im Schuljahr 2015/16 (und das, obwohl es in den Corona-Jahren keine MSA-Prüfungen gab), die Sprachtestpflicht für „Nichtkitakinder“ wird nicht kontrolliert oder sanktioniert, in der neunten Klasse erreicht ein Drittel der Schülerinnen und Schüler nicht mal die Mindeststandards, ein Fünftel ist am Ende des Schulbesuchs wegen völlig unzureichender Leistungen beim Lesen und Schreiben nicht berufsbildungsfähig.
Um die Sprachentwicklung in den Kitas zu fördern, hat Ex-Staatssekretärin Sawsan Chebli gemeinsam mit ein paar anderen Engagierten einen Sprachpatenverein gegründet – vor allem benachteiligten Kindern soll so geholfen werden, mit besseren Chancen in der Schule zu starten. Falls Sie Zeit und Interesse haben, daran mitzuwirken, können Sie sich bei der Mailadresse kontakt@sprachpat-innen.berlin melden (Zeitaufwand ca. 2 halbe Tage/Woche).
Welche Möglichkeiten es gibt, die Berliner Schule insgesamt besser zu machen, vor allem aber auch, wie hier die Frühförderung effektiver zu gestalten ist, haben meine Kollegin Susanne Vieth-Entus und ich für unser gerade veröffentlichtes Buch „Klassenkampf“ recherchiert. Am vergangenen Donnerstag haben wir es in der Urania vorgestellt, moderiert vom Bildungsexperten Jan-Martin Wiarda. Eine Video-Aufzeichnung der Veranstaltung können Sie hier sehen.