Warum es keine schnellen Öffnungen, sondern Perspektiven braucht
Das Warten, Kämpfen und Leiden ist erträglicher, wenn es einen Horizont gibt. Deswegen muss aus dem Notbetrieb ein kommunizierbarer Plan werden. Ein Kommentar. Von Julius Betschka
die Inzidenz in Berlin sinkt. Wenn die Infektionszahlen weiter im selben Tempo abnehmen, könnte der Zielwert von 50 Neuinfektionen in sieben Tagen pro 100.000 Einwohnern quasi „pünktlich” am 14. Februar erreicht werden – bis dahin gilt erstmal der Lockdown. Nach Checkpoint-Informationen arbeitet die Senatskanzlei gemeinsam mit dem Kanzleramt schon an Ausstiegsszenarien. Eine mögliche Reihenfolge der Öffnungen hat Michael Müller am Dienstag nach der Senatssitzung skizziert: Bildung – Einzelhandel – Hotels/Gastronomie.
Der Regierende hatte dennoch vor verfrühten Debatten gewarnt. Wer zu früh lockert, den bestraft das Virus. Trotzdem: Sich darüber Gedanken zu machen, wann und in welcher Form das Leben wieder normalisiert werden kann, wird spätestens jetzt entscheidend für den Fortlauf dieser Pandemie. Aus dem Ad-Hoc-Notbetrieb muss ein kommunizierbarer Plan werden: Ist das Ziel eine Inzidenz von 50? Zehn? Oder gar Null? Darauf braucht es klare Antworten – und zwar bald. Das Warten, Kämpfen und Leiden käme vielen erträglicher vor, wäre nach langer Unsicherheit irgendein Horizont erkennbar.