Gender Pay Gap in der Berliner Verwaltung
Für den Regierenden Bürgermeister Michael Müller ist der Gender Pay Gap, also die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern, „ein gesellschaftlicher Skandal“ (zum Equal Pay Day am 18. März). Und auch der Rest der rot-rot-grünen Regierung hat sich die Gleichstellung der Geschlechter auf die Fahnen geschrieben. Doch in den eigenen Senatsverwaltungen holpert es noch: „Gesonderte statistische Erhebungen des Senats zum Gender Pay Gap liegen nicht vor“, teilt die Senatsverwaltung für Finanzen auf Anfrage von Maren Jasper-Winter, FDP, mit. Das Tarif- und Beamtenrecht des Landes richte sich bei der Eingruppierung und Besoldung der Dienstkräfte „grundsätzlich geschlechtsneutral“ an den Arbeitsschwierigkeiten der jeweiligen Aufgabengebiete aus. „Eine strukturelle Ungleichbehandlung zwischen Männern und Frauen (…) erfolgt daher nach Ansicht des Senats nicht.“
Doch ein Blick auf die angehängte Tabelle zeigt: Lohnunterschiede gibt es sehr wohl. So verdienen Männer in der Senatskanzlei nach Angaben der Senatskanzlei selbst 17 Prozent mehr als Frauen. In der Wirtschaftsverwaltung, also unter Bürgermeisterin Ramona Pop, soll 2018 der bereinigte Gender Pay Gap sogar 4704 Euro betragen haben. Das würde bedeuten, dass Männer 4704 Euro mehr verdienen als Frauen in vergleichbaren Positionen. Wie kann das sein? Auf Anfrage wird die Verwaltung nervös, erklärt, die Antwort werde nochmal korrigiert, es gebe in ihrem Haus überhaupt keinen Gender Pay Gap. Die Zahlen seien auf Basis der absoluten Arbeitgeberausgaben berechnet worden und entsprächen somit nicht der Definition des Gender Pay Gap. Vielmehr sei das monatliche Durchschnittseinkommen nach Vollzeitäquivalent für männliche Beschäftigte 4704 Euro höher ist als für weibliche. Die Erklärung dafür: Viel mehr Frauen arbeiten im einfachen und mittleren Dienst als es dem Gesamtfrauenanteil des Hauses von 64 Prozent entspricht. Im höheren Dienst liegt der Frauenanteil nur noch bei 52,1 Prozent. Auch interessant: Die für Gleichstellung und Antidiskriminierung zuständige Senatsverwaltung macht gar keine Angaben zum Lohnunterschied.
„Unseriös und schlecht gemacht“ findet Jasper-Winter die Antworten. Dazu ein Blick ins Plenarprotokoll vom 4. April 2019, als Rot-Rot-Grün beschlossen hat, Landesunternehmen zu verpflichten, die Stellung und Bezahlung von Männern und Frauen im Detail an den Senat zu berichten: Jörg Ströedter (SPD): „Wir wollen, dass in den Beteiligungsunternehmen des Landes Berlin die Regelungen des Landesgleichstellungsgesetzes nicht nur angewendet werden, sondern darüber vollkommen transparent und nachvollziehbar berichtet wird.“