Shopping-Queen Müller
In der Tagesschau verteidigt Michael Müller die Berliner Corona-Strategie. Fazit: Shopping Queen wäre passender gewesen. Ein Checkpoint-Kommentar. Von Anke Myrrhe.
Aus der Reihe einfache Frage, keine Antwort (Pandemie-Ping-Pong, Teil ca. 7000): Nicht nur wir wollten vom Regierenden Bürgermeister gestern sehr früh am Tag wissen, was er denn nun zu den deutlichen Angriffen der Kanzlerin bei Anne Will auf unsere kleine Stadt zu sagen hatte („Testen und Bummeln“, CP von gestern). Nach langem Schweigen verwies die Senatskanzlei alle anderen Medien auf ein um 14 Uhr im Roten Rathaus aufgezeichnetes Zwei-Satz-Statement, das um 17 Uhr exklusiv in der Tagesschau gesendet wurde. Es kommentiert Checkpoint-Autor Björn Seeling: Shopping-Queen auf VOX wäre passender gewesen.
Müller weiß vermutlich, dass manche Interview-Sätze in diesen Zeiten schlecht altern. Auf die Frage, ob er keine Angst habe, den gleichen Fehler wie im Herbst noch einmal zu machen, als er zu zögerlich mit neuen Maßnahmen war, sagte der Regierende Ende Februar im Tagesspiegel-Interview:
„Wir hatten im Herbst die Hoffnung, dass wir ohne die ganz harten Maßnahmen durchkommen. Aus der Erfahrung des Sommers heraus hatten wir das Gefühl: Es kann gutgehen. Wir mussten lernen, dass das Virus viel schneller durchschlägt, die Infektionsketten rasant eskalieren und das Impfen noch dauert. Natürlich frage ich mich heute: Warum hast Du da nicht entsprechend reagiert? Das waren vier oder sechs Wochen, die uns zurückgeworfen haben. Jetzt hat sich die Situation verändert. Impfen und Testen bieten uns mehr Möglichkeiten.“
Es kommentiert Checkpoint-Gastautor Andi Möller: Wir ham vom Feeling her kein gutes Gefühl.
Ach so, bleibt noch die Frage, was Müller (nicht Möller!) denn nun Ausgefeiltes zu sagen hatte, was er ausschließlich übers Fernsehen vermitteln konnte, bitteschön:
„Ich glaube nicht, dass es klug ist, aus dem Kanzleramt heraus jetzt ein Länder-Bashing zu betreiben. Denn wir haben alle gemeinsam eine große Aufgabe zu bewältigen und haben auch schon viel gemeinsam erreicht.“
Erreicht wurde zuletzt vor allem eine explodierende Inzidenz: Gestern lag sie in Berlin laut RKI-Zahlen bei 146,4, in den Tagesspiegel-Zahlen (noch aktueller) bereits bei 153. Am Montag vor einer Woche, dem offiziell letzten Tag unter 100, waren es noch 98,6. Der R-Wert ist knallrot (1,23; Vorwoche 1,06) und auch die Intensivbettenauslastung steigt wieder (17,8, Vorwoche: 15,8). Es kommentiert Michael Müller: „Natürlich frage ich mich heute: Warum hast Du da nicht entsprechend reagiert?“
Aber bitte, kein Grund zur Eile! Wie mein Kollege Georg Ismar aus Länderkreisen erfuhr, sollen zunächst die Feiertage abgewartet werden. Merkel habe bisher keine neuen Ideen ins Spiel gebracht (wie wär’s mit einer Pfingstpause?). Die nächste Bund-Länder-Runde soll wie geplant am 12. April stattfinden. CDU-Chef Armin Laschet fordert, dass dieses Treffen besser vorbereitet stattfindet (klasse!) und bitteschön: als Präsenzveranstaltung. Perfektes Setting für das Verkünden weiterer Kontaktbeschränkungen.