Sternchenstunde der Berliner CDU
Der forschungspolitische Sprecher von Berlins Christdemokraten hatte den Verdacht, an den Unis gebe es Punktabzug fürs Nicht-Gendern. Spoiler: Dem ist nicht so. Von Lorenz Maroldt
Wir kommen zur Rubrik „Berlin Sternkunde“: Der CDU-Abgeordnete Adrian Grasse wollte vom Senat wissen, ob Nicht-Gendern an Berliner Hochschulen zu Punktabzügen führt: „Gilt nicht mehr der Duden bei der Bewertung von Studien- und Prüfungsleistungen?“ Hier die Antwort:
„An der Freien Universität Berlin bestehen keine übergreifenden Vorgaben hinsichtlich der Verwendung des Gendersternchens. Es gibt Module, bei denen die Verwendung einer geschlechtergerechten Sprache Merkmal bewertungsrelevanter fachlicher Kriterien ist. Dabei ist nicht die Verwendung des Gendersternchens, sondern einer Sprache gefordert, welche die verschiedenen geschlechtlichen Identitäten gleichermaßen anspricht. Das Gendersternchen stellt eine Möglichkeit dar, dies zu tun.“
Fälle einer möglichen Benachteiligung aufgrund der Nichtanwendung
gendergerechter Sprache sind dem Senat übrigens nicht bekannt. Der FU-Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch hatte sogar eine Belohnung von 100 Euro für den Nachweis eines Punktabzugs infolge des Nicht-Genderns ausgelobt – bisher konnte er sein Geld behalten.
Falls Sie nachher ein bisschen Zeit haben und sich mit dem Thema weiter beschäftigen möchten, hätte ich hier eine dreifache Leseempfehlung: In Teil 1 beschreibt Nele Pollatschek, warum für sie das Gendern die Diskriminierung nur noch schlimmer macht („Deutschland ist besessen von Genitalien“). In Teil 2 plädiert Anatol Stefanowitsch (ja, der mit der 100-Euro-Ausscheibung) für einen Sprachwandel („Überlassen wir es dem freien Spiel der Kräfte, welche Formen sich am Ende durchsetzen“). Und in Teil 3 ergründen Georg Ismar und Felix Hackenbruch, welche Bedeutung der Genderstern im Wahlkampf haben wird (Abo).
Im Wahlprogramm der Grünen findet sich der „*“ übrigens 348 Mal, in dem der SPD 157 Mal (exklusiv für Sie gezählt). Die CDU, in deren Reihen manche ein Verbot von Gendersprache in Ämtern, Schulen und Unis fordern, hat noch kein Wahlprogramm (das kommt wie immer im Sommer). Laut Umfragen wächst die Zahl der Gegner*innen, Gegner:innen, Gegner_innen und GegnerInnen der Verwendung von Sonderzeichen als Ausdruck geschlechtergerechter Sprache wieder. Und was meinen Sie?