Stefan Lehmkühler gestorben
Im Historischen Hafen an der Fischerinsel hängt auf dem Schleppdampfer „Andreas“ die Vereinsfahne auf Halbmast…
Stefan Lehmkühler hat sich einst selbst als „Erfinder der autofreien Friedrichstraße“ bezeichnet; dass sie längst wieder befahren wird, spornte ihn eher an. Als Ingenieur interessierte ihn, wie die Dinge funktionieren – aber eben auch, warum nicht. Das galt ebenso für politische Prozesse. Sein Lebensmotto: „Ruhe bewahren. Denken hilft! Meistens jedenfalls.“ Dazu kam eine große Portion Optimismus und Gegenwärtigkeit, trotz und auch wegen seiner schweren Erkrankung.
Lehmkühler engagierte sich für die Verkehrswende, scheiterte als Direktkandidat der Grünen in Mitte bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus 2023, berechnete unbeeindruckt davon Daten für den Baumentscheid – und kümmerte sich um die alten Schiffe im Hafen, zuletzt besonders um den mit Hilfe der Lotto-Stiftung instandgesetzten Kahn „Hans Wilhelm“ (auf dem in diesem Jahr auch der „Insel-Salon“ seine neue Heimat bezieht). Stolz präsentierte Lehmkühler im vergangenen Sommer dort auf dem Deck eine fünf Meter große „Solarblume“, die erste Photovoltaikanlage dieser Art auf einem Schiff.
Im Januar versagten ihm die Grünen eine abermalige Direktkandidatur fürs Abgeordnetenhaus. Ein paar Tage später wählten ihn die Mitglieder des Hafenvereins zu ihrem Vorsitzenden. Gestern früh erfuhren sie, dass Stefan Lehmkühler beim nächsten Klönsnack auf der „Andreas“ nicht mehr dabei sein wird.