Die Geisterflüge von Air Berlin
Und damit zum wirtschaftlichen Absturz von Air Berlin: 40 Flüge fielen alleine am Sonntag aus, nach Angaben des insolventen Unternehmens „aus operativen Gründen“, nach Informationen der „B.Z.“ als Folge eines wilden Streiks. Angekündigt hat die so genannte Fluggesellschaft jetzt auch das Ende aller Langstreckenverbindungen bis zum Ende des Monats. So soll nach New York bzw. von dort zurück am 25.9. Schluss sein. Seltsam nur: Gestern Abend konnte ich auf der Airberlin-Website problemlos einen Buchungsvorgang für einen AB-Flug nach New York am 28.9. in die Wege leiten - für 862,77 Euro (Economy Classic, ab TXL um 13.35, Dauer 08 h 35 min). Die virtuelle Reise durchs Airberlin-Fantasialand führte mich über die Angabe der Personaldaten vorbei an der angebotenen Reiserücktrittsversicherung (39,90) und dem Mietwagenpartner (Sixt) bis hin zur Eingabe der Kreditkartennummer und dem finalen Button „zahlungspflichtig bestellen“…
… was ich dann besser mal sein ließ - ich hatte ja glücklicherweise gerade im Checkpoint gelesen, dass die NY-Flüge vom 25. September an gecancelt sind (siehe oben). Aber was, wenn nicht? Hätte da ein AB-Verantwortlicher (gibt’s noch welche?) der eigenen Website nicht längst mal gesagt haben müssen, dass hier Tickets verkauft werden für Flüge, die es gar nicht mehr gibt? Im Angebot ist z.B. (zufällig zur Kontrolle ausgewählt) auch noch der 12. Oktober (gleicher Preis). In der offiziellen Mitteilung des Unternehmens von gestern werden die Streckenstreichungen übrigens PR-mäßig so verkauft: „Air Berlin stabilisiert die operative Situation am Flughafen Berlin-Tegel weiter.“ Klar, immer weiter, und ganz egal wie.
Unterdessen wird die Schar der Interessenten an einer Übernahme der Air Berlin immer illustrer - oder sollten wir lieber sagen: illustriger? Neu im Rennen ist jedenfalls der Berliner Unternehmer Alexander Skora, seine Qualifikation: Er betreibt das Hostel „Happy Go Lucky“ am Stutti. Ich warte jetzt nur noch auf eine Bewerbung der Inhaber von „Curry 36“ - die sind immerhin schon mal an lange Warteschlangen ihrer Kunden gewöhnt.
AB-Epilog (für heute): Mir tun die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Air Berlin leid, die sich über viele Jahre freundlich, flexibel, kompetent um ihre Kunden gekümmert haben - und die jetzt, zu der Sorge um ihre Jobs, erleben müssen, wie ihr Unternehmen im Zwielicht zugrunde geht.