Michael Müller und die bayerische Welle

Berlins Regierender möchte die Hauptstadt auf Corona durchtesten. Das hat er in einer Talkshow signalisiert. Auch zu beruflichen Plänen äußerte er sich jetzt. Von Julius Betschka

Michael Müller und die bayerische Welle
Foto: Christoph Soeder/dpa

Weiter geht’s mit dem anderen Virus: Test, Test, Test… aber gezielt! Gesundheitsminister Jens Spahn hat den Vorstoß Bayerns kritisiert, kostenlose Corona-Tests für alle anzubieten. „Einfach nur viel zu testen klingt gut, ist aber ohne systematisches Vorgehen nicht zielführend“, twitterte er. Es wiege die Menschen in falscher Sicherheit und erhöhe das Risiko falsch-positiver Ergebnisse. Auch Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci hatte am Montag im Parlament erklärt, dass es kostenlose Tests für alle in Berlin erstmal nicht geben werde – Brandenburgs Gesundheitsministerin Nonnemacher äußerte sich ähnlich kritisch. Ein gut aufgelegter Michael Müller war am Abend dagegen kaum zu bremsen. In der Talkshow „Klamroths Konter“ auf n-tv sagte der Regierende Bürgermeister den eher unberlinischen Satz: „Wir werden sehr bald diesen bayerischen Weg einschlagen.“ Müller erklärte weiter: „Wenn ein Bundesland so anfängt, dann wird das eine Welle, die Tests werden günstiger und es wird für viele Menschen bald ganz unproblematisch, sich testen zu lassen.“ Eine Bewerbung als Wellenbrecher klingt anders.

Apropos Bewerbung: 2021 wählt Berlin einen neuen Regierenden – oder wird es eine Frau? Auch dazu musste der Amtsinhaber – der zurzeit kaum ein Interview auslässt und sichtlich Spaß am Bürgermeisterherbst hat – bei n-tv Stellung beziehen. „Wir sind in Berlin bislang gut durch die Pandemie gekommen und das ist die Bestätigung der eigenen Arbeit, die auch Freude macht“, sagte Müller. Lachend verschafft er sich Zeit, um zu beantworten: Hat er nochmal Lust? „Ja, natürlich… ist das so, wenn man etwas bewegen kann, will man weiter Politik machen. Ich fühle mich noch zu jung für die Rente.“ Es sei nun aber wichtig, was das Beste für Berlin und die SPD sei, sagte Müller. Aha – heißt? „Man muss wollen in der Politik, aber man muss auch im Team entscheiden, was geht.“ Soso. Moderator Louis Klamroth fasst zusammen: „Da haben sie mir jetzt sehr verklausuliert erklärt, dass sie Spitzenkandidat für den Bundestag werden und nicht nochmal als Regierender Bürgermeister antreten.“ Müller widerspricht nicht.