Räumung des Syndikat: Die Nacht vor Tag-X
Sie wollten es diesmal besser machen. Seit gestern Nachmittag glich der Schillerkiez einer Hochsicherheitszone, zwischen Hermannstraße und Tempelhofer Feld waren Hunderte Polizisten im Einsatz. Die Weisestraße, in der sich das „Syndikat“ befindet, war abgesperrt. Nur Anwohner, die einen Ausweis vorlegen konnten, wurden durch die Polizeikontrollen gelassen. Hunderte sammelten sich am Abend im Kiez, die Hermannstraße war ab Mitternacht nicht mehr befahrbar. Ein Kiez im Ausnahmezustand, weitgehend friedlich. Eine Kundgebung direkt vor der Kneipe wurde von den Versammlungsbehörden untersagt, Widerspruch am Abend zurückgewiesen. „Aufgrund der sehr emotionalen Thematik“ glaube man, die Demonstranten würden vor der Räumung nicht von der Kneipe weichen. Das Kneipenkollektiv drohte via Twitter: „Alles was jetzt folgt hat (sic!) Innensenator Geisel und die Polizei Berlin mit ihrer Eskalationsstrategie zu verantworten.“
Tatsächlich hatte die geplante Eskalation eines harten Kerns der Autonomenszene am vergangenen Wochenende die Polizeipräsenz vergrößert, Gesprächsbereitschaft minimiert und Maßnahmen verschärft, um ähnliche Jagdszenen zu verhindern. Wozu die Autonomen bereit sind, zeigte sich in der Nacht: Auf Twitter und in Chat-Gruppen wurden Name und Foto des Neuköllner Gerichtsvollziehers auf Plakaten verbreitet. Er habe „Neukölln-Verbot“, dürfe nicht in die Nähe der Kiezkneipe gelassen werden. Sollte die Räumung erfolgreich sein, wurde für heute Nachmittag eine „Tag-X“-Demonstration angekündigt. „Provokation statt Gesprächen. Das ist Krach mit Ansage. Der Schiller-Kiez ist besetzt“, schrieb die Neuköllner Grünen-Abgeordnete Susanna Kahlefeld – und meinte damit Polizei und Innensenator. Zehn Abgeordnete von Linken und Grünen begleiteten die Proteste bis in den Morgen. Die Linke-Abgeordnete Katalin Gennburg schrieb in der Nacht: „Wir stehen an der Seite der Proteste und gegen den Ausverkauf der Stadt!“ Die Zerstörung eines Parteibüros der SPD bei den Krawallen, Steinhagel, verletzte Polizisten und Demonstranten – als hätte es all das am vergangenen Wochenende nicht gegeben. Windige Briefkastenfirmen stoppen und außerdem autonome Gewalt verhindern. Kann das so schwer sein? Wir hoffen, dass es friedlich bleibt.