Lufthansa-Crews übernachten in China wie im Knast
Intern verweist die Personalvertretung nun auf die „Angstklausel“ – Crews dürften damit die Durchführung von Flügen ablehnen. Die Hintergründe im Checkpoint. Von Lorenz Maroldt.
Neun Milliarden Euro pumpt der Staat in die Lufthansa – doch ihre Langflug-Crews behandelt die Firma ähnlich würdelos wie das FC-Bayern-Gastland Katar seine „Arbeitsmigranten“. In einem internen Schreiben vom 5.2. erklärt die Personalvertretung die „Unterbringung“ (der Begriff Hotel wird abgelehnt und nur in Anführungsstrichen benutzt) in der chinesischen 8,5-Millionenstadt Ninjang für lebensgefährlich und unerträglich. Tatsächlich ähnelt die beschriebene Situation eher einer Vollzugsanstalt: „Aktuell werden die Crews weggeschlossen.“ Das hat zwar mit den strengen chinesischen Corona-Regeln zu tun, lässt sich in einem vernünftigen Hotel aber sicher besser ertragen, denn:
„Da werden Kapitän und P2 mit einem Hämmerchen ausgestattet, um im Notfall die mit einem Fahrradschloss verschlossenen Notausgänge öffnen zu können.“ Die Hygiene? „Unterschreitung von internationalen Mindeststandards“, „nicht mehr erträglich“. Und weiter: „Die Mitarbeiter im Hotel sprechen kein Englisch, funktionierende Telefone sind eher unwahrscheinlich. Rauchmelder wurden erst auf Nachfrage angebracht. Die Beschilderung im Hotel existiert nur auf Chinesisch.“ Fazit „Mit einem nicht ordentlich überprüften Flugzeug würde keine Crew auf ihren Flug gehen. Warum LH meint, aufgrund des Profits bei Eurer Sicherheit vor Ort plötzlich alle geltenden Standards ignorieren zu können, ist uns völlig unverständlich.“
Am Ende des Schreibens weisen die Autoren auf die „Angstklausel“ in der Betriebsvereinbarung zum „Fliegen in Kriegs- und Krisengebiete“ hin. Die Drohung, den für Sonntagabend um 22 Uhr geplanten Nanjing-Flug „abzulehnen“, löste sich dann aber doch noch in Luft auf: LH 780 hob gestern mit leichter Verspätung Richtung China ab.