„Das verlorene Haus“ - Teil 1
Weil der Sommer immer auch Lese- und Entspannungszeit ist, starten wir heute im Checkpoint die Rubrik „Erzähl mal weiter“. Gemeinsam mit Berliner AutorInnen und Ihnen wollen wir jede Woche eine Fortsetzungsgeschichte schaffen. Den Auftakt macht Wladimir Kaminer mit „Das verlorene Haus“.
Und jetzt sind Sie gefragt – Wie soll es weitergehen? Schicken Sie uns Ihre Fortsetzung (maximal 600 Zeichen) bis spätestens heute um 16 Uhr an checkpoint@tagesspiegel.de. Die beste Idee veröffentlichen wir hier morgen. Und die gesamte Geschichte (deren Ende wiederum Wladimir Kaminer am Freitag schreiben wird) lesen Sie am Wochenende im Tagesspiegel und auf Tagesspiegel.de. Viel Spaß beim Lesen und Schreiben!
Das verlorene Haus
von Wladimir Kaminer
Nicht alle Geschäfte auf unserer Straße haben die dreimonatige Corona-Pause überlebt. Die Frisöre, die Waschmaschinenreparatur, der komische kleine Laden „Ersatzteile für Wasserpfeifen“ und ein von Indern betriebenes mexikanisches Restaurant haben es geschafft, sie sind mit den ersten Lockerungen aus dem Corona-Schlaf erwacht. Die Spätverkaufsstellen, die eigentliche Infrastruktur der Stadt, waren gar nicht zu. Die Spätis sind sowieso das Geschäft der Zukunft, sie ersetzen bereits jetzt Kneipen, Post, Lebensmittelläden und Familienbetreuung mit psychologischer Beratung. Ich glaube, dass die Spätiverkäufer in ihren Läden leben, ich sehe sie Tag und Nacht bei der Arbeit. Entweder stehen sie hinter der Verkaufstheke oder sie sitzen vor ihrem Laden auf der Bank. Aber das größte Gebäude in unserer Straße, das Filmtheater „Colosseum“, ist in die Insolvenz gegangen. Das Haus gehörte natürlich zur Risikogruppe, schon über 100 Jahre alt und mit Vorerkrankungen, es wurde bereits im XIX. Jahrhundert...