Wettbewerb zur politischen Selbstbefriedigung
Zum Start der Straßenplakatierung am Wochenende wurde der Berliner Wahlkampf auf Buddelkastenniveau fortgesetzt. Ein Kommentar aus dem Checkpoint. Von Lorenz Maroldt
Hinein ins Geschehen. Wir beginnen mit dem Wahlkampf, der am Wochenende zum Start der Straßenplakatierung (erlaubt ab Sonntag, 0:00 Uhr) auf Buddelkastenniveau fortgesetzt wurde. Die große Frage war nicht, wer Berlin am besten regiert, sondern: wer wem ab wann die Laterne klaut. Die Parteien nutzen das Aufhängen von Dreiwortparolen mit wechselnden Gesichtern für einen Leistungswettbewerb zur politischen Selbstbefriedigung – schauen wir mal rein, mit welch bitterem Ernst die Kandidatinnen und Kandidaten die anachronistische Stadtverpappung kommentieren (zufällig ausgewählte und zusammengestellte Beispiele aus Twitter und Facebook, viele mit Bild):
Stefan Kellner (Grüne): „Wahnsinn, wie schnell und dicht wir letzte Nacht plakatiert haben. Die Wahl kann kommen!“
Max Landero (SPD): „Diese Form des Plakatierens ist mir neu. Hingeschmissen und abgehauen. Schöne neue grüne Welt.“
Johannes Kraft (CDU): „Da stellt die SPD Großflächen in Pankow auf - und zwar auf zum Teil nicht genehmigten Flächen und zu einer Zeit, zu der es noch überhaupt nicht erlaubt ist. Fairness im Wahlkampf sieht anders aus.“
June Tomiak (Grüne): „Für die CDU Berlin gelten Regeln mal wieder nicht?“
Julian Mieth (Grüne): „Für die Neuköllner SPD auch nicht. In Britz hing schon um 19 Uhr alles voll. Auf die Frage, warum die schon plakatieren, kam die Antwort: ‚Weil es später so dunkel ist. Und wenn das Ordnungsamt aufhört seine Runden zu drehen, dann ist das OK‘.“
Ann Cathrin Riedel (FDP): „Liebe Canan Bayram, zum fairen Wahlkampf gehört auch, sich an Vorgaben vom BA-Amt beim Plakatieren zu halten. Dazu gehört: keine Plakate an historischen Laternen & 2,5m Mindesthöhe. Vielleicht noch korrigieren?“
Jan-Marco Luczak (CDU): „Die SPD in Charlottenburg-Wilmersdorf hält von fairem und gesetzestreuem Wahlkampf offensichtlich nicht viel: Dort hängen schon die ersten Plakate der SPD-Kandidatin an der Laterne. Das nennt sich unfairer Wettbewerb!“
Benni Köster (SPD): „Schönen Gruß an der Stelle an die CDU-Truppe, die seit 15 Uhr Wilmersdorf vollplakatiert.“
Sören Benn (Linke): „SPD-Spitzenkandidatin stellt rechtswidrig vor Beginn der Erlaubniszeit an Premiumstandorten Wahlwerbung auf. Fängt ja gut an.“ (später gelöscht)
Daniela Kluckert (FDP): „Der Bezirksbürgermeister Sören Benn nimmt die Regeln, die in Berlin gelten, nicht so genau. Kennen wir von der Linken und ist auch diesmal eine Riesensauerei.“
Tom Schreiber (SPD): „Ab Mitternacht dürfen Wahlplakate gehängt werden. Für die CDU gelten die Gesetze in Treptow-Köpenick wohl nicht?“
Hannah Sophie Lupper (SPD): „Hey Grüne, Ihr seid ja zum Plakatieren auch mit dem Auto im Bergmannkiez unterwegs.“
Christopher King (SPD): „Die CDU Neukölln ist mal wieder sympathisch und fair wie eh und je und fängt deutlich vor der erlaubten Zeit an zu plakatieren.“
Falko Liecke (CDU): „Das sieht so aus, dass die SPD mein Plakat hochgeschoben hat. KEIN guter Stil!“
An dieser Stelle unterbrechen wir unsere Übertragung – das Schlusswort zum Wettstreit um den Titel „Plakatierende Bürgermeisterin“ erhält Monika Herrmann (Grüne): „Ein bisschen Spaß muss sein.“