Im Ringen ums Colosseum: Kultursenator Lederer bietet sich als Vermittler an
Die Colosseum-Mitarbeiter hoffen auf ein Gespräch mit den Erben des Kinogründers Brauner. Doch die waren bisher nur wenig gesprächsbereit. Von Robert Ide
Falls Sie jetzt schwarz sehen: dann sitzen Sie vielleicht in einem Kino im Norden Berlins. In Pankow zeigten die Brüder Skladanowsky einst den ersten Film der Welt, an der Stelle des Kinos Tivoli nahe des Bahnhofs Pankow steht allerdings schon lange nur noch eine Lidl-Filiale (auch der verschämt „Tivolette“ genannte Kaffeeimbiss ist längst kalte Kulisse). Und im Kino Colosseum am Bahnhof Schönhauser Allee, vor knapp 100 Jahren in eine historische Wagenhalle der Pferde-Straßenbahn hineingebaut und eines der ältesten Lichtspielhäuser Berlins, soll ebenfalls der letzte Vorhang gefallen sein, weil die Erben von Filmlegende Artur Brauner die Immobilie in bester Lage lieber zu einem Bürokomplex versilbern wollen (zuerst berichtet am 19. Juni im Checkpoint). Corona soll an der angemeldeten Insolvenz schuld sein, dabei ist längst aktenkundig, dass Bezirksamt und Denkmalschutz schon seit Juni 2019 von den Plänen Kenntnis hatten und es sogar einen behördlichen Vor-Ort-Termin gab, um den Umbau vorzubereiten (Hintergründe hier).
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die weiter um Kiezhausens Kino kämpfen und am Donnerstag wieder demonstrieren wollen, hoffen nun auf ein Gespräch mit den Brauner-Erben über die Fortsetzung des Kinobetriebs. Als Moderator steht Pankows Bezirksbürgermeister Sören Benn bereit, jetzt bietet sich auch Kultursenator Klaus Lederer (Linke) als Vermittler an. „Wenn ich helfen kann, diesen traditionsreichen Kulturstandort zu retten, bin ich sofort dabei“, sagte Lederer am Montag dem Checkpoint. Die Erbengemeinschaft hat jedoch nach Darstellung des Betriebsrats bisher nur wissen lassen, „dass die Gesprächsaufforderung aufgrund der Ferienzeit innerhalb der Erbengemeinschaft nicht erörtert werden könne“. Und so läuft am Colosseum weiterhin nur ein Film: Gegen die Leinwand.