Verstopft Bequemlichkeit Berlins Straßen?

Betonhart umstritten bleibt weiter die Verkehrspolitik des Berliner Senats. Der politische Wunsch, die Stadtautobahn nicht nur bis zur Staufalle am Treptower Park zu verlängern, sondern weiter bis zu den Ausfallstraßen des Berliner Ostens, löst bei unseren Leserinnen und Lesern weiter lebhafte Debatten aus. Klaus Schäfer, Professor für Städtebau aus Schöneberg, warnt vor mehr Verkehr durch weitere Autobahnkilometer. Er schreibt in einem eigenen Beitrag: „Die Wunden der alten Verkehrspolitik sind noch nicht verheilt, die devastierten Stadträume wie Bundesallee, Lützowplatz, Breitenbachplatz, Sachsendamm, Landsberger Allee oder Holzmarktstraße sind immer noch präsent. Auch dort leben und arbeiten Menschen – nicht nur vierrädrige Kampfmaschinen in ihrem täglichen Ringen um mehr Platz. Diese Räume werden auch nicht lebenswerter, wenn sie beiderseitig mit Lärmschutzwänden versehen sind.“

Die Mehrheit der Berlinerinnen und Berliner unterstützt dagegen in Umfragen die Idee des Weiterbaus der Autobahn – vielleicht auch, weil sie wegen der zahllosen Baustellen sowieso gerade im Stau steht. Genug Zeit zum Nachdenken also über Berlins Stadtverkehr, in dem Roland Stimpel vom Fußgängerverein FUSS e.V. einen ganz anderen Grundkonflikt erkennt: den zwischen notwendigen und nicht notwendigen Autofahrten.

„Ich stimme zu, dass es Straßen braucht, um die Stadt am Laufen zu halten. Nur: für welchen Verkehr?“, schreibt Stimpel dem Checkpoint und führt aus: „34 Prozent aller Autofahrten der Berliner sind Pendler- und Arbeitsfahrten, von denen sich viele schlecht anders machen lassen. Deutlich mehr, 48 Prozent, sind private Freizeit-, Einkaufs- und Erledigungsfahrten, oft ohne starre Zeiten und fest vorgegebene Ziele. Sie stören die nötigen Fahrten; private Dauerparker verhindern das Kurzzeit-Parken von Handwerkern, Pflegediensten und Lieferanten. Berlins größter Verkehrskonflikt spielt sich nicht zwischen Auto und Fahrrad ab, sondern zwischen den nötigen Fahrten und den Bequemlichkeitsfahrten. Stadtautobahnen lösen ihn nicht, sondern verschärfen ihn.“

Verstopft also Bequemlichkeit Berlins Straßen? Wie denken Sie darüber, liebe Leserinnen und Leser? Schreiben Sie uns gern an checkpoint@tagesspiegel.de. Wir sind gespannt auf Ihre Argumentationswege und führen die Debatte weiter.