Wegen 9000 Euro wartete die Polizei am Bahnsteig: Das Bahndrama einer Berliner Schulklasse auf dem Rückweg von Duisburg

Erst verpasste die Klasse ihren Flixtrain, dann sollten sie im ICE für 9000 Euro DB-Tickets nachlösen. Am Ende wurden die 30 Schüler in Berlin von der Polizei am Gleis empfangen. Von Lotte Buschenhagen und Thomas Lippold.

Wegen 9000 Euro wartete die Polizei am Bahnsteig: Das Bahndrama einer Berliner Schulklasse auf dem Rückweg von Duisburg
Foto: Christian Charisius/dpa

Stellen Sie sich vor, Sie wollen mit 32 Schülern von Duisburg nach Berlin. Eigentlich sollte Ihr Flixtrain von Gleis 10 abfahren, doch plötzlich steht an der Anzeige das Gleis 9. Sie rennen mit der Klasse über den Bahnhof, kurze Zeit später heißt es auf dem Display, der Zug sei abgefahren – und zwar von Gleis 11. Ein Anzeigefehler der Deutschen Bahn, wie Mitarbeiter bestätigen. In Absprache mit der Schulleitung steigen Sie daraufhin ohne Tickets in einen ICE und schildern dem Schaffner die Situation: kein Problem, sagt der. Dann wechseln die Kontrolleure – und der neue Schaffner verpasst Ihnen eine Fahrpreisnacherhebung, Höhe: rund 9000 Euro. Um 0.20 Uhr treffen Sie in Berlin ein, wo 20 Polizisten auf Sie warten, sämtliche Personalien aufnehmen und die Nacherhebungen verteilen.

So schildert eine begleitende Lehrerin die Ereignisse am 7. Juli 2023. Betroffen waren dieselben Schüler, die noch im Mai nach rassistischen Anfeindungen polizeilich aus einer Brandenburger Jugendherberge eskortiert werden mussten. Den Polizeieinsatz diesmal bezeichnet die Lehrerin gegenüber dem Tagesspiegel als „völlig unangemessen und unverhältnismäßig“, die Kinder würden „erneut traumatisiert“. Auf CP-Anfrage gibt die Bahn den Anzeigefehler zu. Zu den Polizisten am Bahnhof wolle man sich nicht äußern. Die Bahn kündigt jedoch an, auf die 9000 Euro zu verzichten – aus Kulanz: „Denn die Personen sind ohne gültigen DB-Fahrschein in den ICE eingestiegen.“ Schöne Sommerferien.