Soll ein Mieter-Protest im Keim erstickt werden?
Seit April versucht eine Berliner Hausverwaltung, Mieter loszuwerden. Nun eskalierte der Vermieter den Streit – zu einer Protestaktion schickte er Security. Von Anke Myrrhe, Thomas Lippold und Teresa Roelcke
Neues von unserer Lieblingshausverwaltung (die mit den F**k-You-Liebesbriefen an die Mieter, CP vom 17.4.). Die Blaczko GmbH & Co. KG findet es offenbar nicht so toll, dass ihre Mieterinnen sich nun untereinander vernetzen, weil die Hausverwaltung infolge des Mietendeckel-Urteils hämische Mails schickte mit dem „Vorschlag“, das Mietverhältnis zu beenden. Nachdem der Checkpoint Mitte April darüber berichtet hatte, begannen die Mieter, sich auszutauschen. Eine daraus entstandene Initiative wollte kürzlich Flyer in betroffenen Häusern verteilen. Dort wurde man von Sicherheitspersonal empfangen und bekam Hausverbot wegen „Störung des Hausfriedens in mehreren Fällen durch unerlaubtes Verteilen von Flyern, die sich gegen den Hausrechtsinhaber richten“. Offenbar hatte Blaczko in der Telegram-Gruppe mitgelesen.
Im Chat waren auch Muster für fragwürdige Vertragskonstruktionen aufgefallen, unter anderem: Möblierte Wohnungen ohne Möbel, Teilgewerbeverträge ohne Gewerbe und Untermietverträge bei Freunden und Verwandten der Hausverwaltung (weitere Details gibt‘s am Sonntag im Tagesspiegel). Blaczko bestreitet die Vorwürfe und antwortet uns, die Mieter könnten ja dagegen vorgehen, wenn sie unzufrieden seien. „Der Streit über Vertragsvereinbarungen ist das Tagesgeschäft einer jeden Hausverwaltung.“
Mieterschikane offenbar auch. Einen Vorteil hatte die Einschüchterungsaktion für die Initiative allerdings: Die hat nun dank des Hausverbots die komplette Liste aller 25 Berliner Blaczko-Immobilien mit Adressen – und noch mehr Raum für kreative Ideen.