Klingelnde Kassen seien „blanke Spekulationen“: Wird die EM für Berlin zur Kostenfalle?

80 Millionen Euro lässt sich Berlin die sechs EM-Spiele, die im Olympiastadion ausgetragen werden, kosten. Laut Sportsenatorin Iris Spranger kein Problem, da mit etwa 600 Millionen Euro „Stadtrendite“ zu rechnen sei. Ein Sportökonom ist skeptisch. Von Daniel Böldt
 

Klingelnde Kassen seien „blanke Spekulationen“: Wird die EM für Berlin zur Kostenfalle?
Foto: imago / Nico Herbertz

Zum Sport: In rund vier Monate beginnt die Fußball-EM der Männer, sechs Spiele finden in Berlin statt. Kosten des Landes: knapp über 80 Millionen Euro. Laut Sportsenatorin Iris Spranger kein Problem, immerhin erwartet sie durch die EM eine „Stadtrendite“ von etwa 600 Millionen Euro.

Was erst mal gut klingt, ist nach Angaben des Sportökonomen Norbert Schütte jedoch „blanke Spekulation“. Schütte forscht seit Jahren an der Uni Mainz zu volkswirtschaftlichen Effekten von Sportgroßveranstaltung. Diese seien nur schwer zu ermitteln, erklärte er am Checkpoint-Telefon.

Entscheidend sei unter anderem, wer spielt. Anhänger einer Nation mit niedrigem Pro-Kopf-Einkommen geben im Schnitt auch weniger Geld aus. Auch das Wetter spielt eine Rolle. Und: Es gibt Gewinner und Verlierer. Für Zoos, Galerien oder Kinos sind Sport-Großveranstaltungen eher schlecht. Hotels und Gastronomiebetriebe profitieren.

Zwar sagt auch Schütte, dass unterm Strich mehr Geld reinkommt als ausgegeben wird. Die Vorstellung, dass es 600 Millionen Euro werden, hält er jedoch für „übertrieben“.