SPD: Knappe Zustimmung für Koalitionsverhandlungen
Der Sonderparteitag der SPD in Bonn zur Aufnahme von Koalitionsverhandlungen war dank Liveübertragung von „Phoenix“ wie der Publikumstag einer Messe der Demokratie. Leidenschaftlich kämpften die Delegierten für ihre jeweilige Position, freilich ohne das Dilemma der Partei zu lösen zu können - wie auch. Am Ende lagen die Befürworter der Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit der Union knapp vorne (56 %). Die dokumentierte Zerrissenheit der Partei ist für die SPD-Führung jetzt von strategischem Vorteil: Sie muss nicht mal pokern, um klar zu machen, dass sie weitere Zugeständnisse braucht - sonst hat sich die Sache erledigt. Die Ankündigung von Fraktionschefin Nahles, „wir werden verhandeln, bis es quietscht“, ist deshalb durchaus ernst zu nehmen. Den Spruch des Tages aber formulierte Parteichef Martin Schulz: „Wir haben nicht genug nicht erreicht, um nicht in Koalitionsverhandlungen zu gehen.“ Na dann. Das macht übrigens einen „nicht“-Anteil (Wörter im Satz) von 25 Prozent aus – so viel hatte die SPD schon lange nicht mehr.