Als ob die SPD einen „Impfskandal“ inszenieren will
Ein zweifelhafter Impfstreit wirft kein gutes Licht auf die Sozialdemokraten. Denn mit der Pandemie parteipolitisch zu taktieren, hilft niemandem. Ein Kommentar. Von Lorenz Maroldt
Auch das Impfen war Thema beim Corona-Gipfel – und der Zoff vom Montag ging munter weiter. Christian Gaebler, Chef der Senatskanzlei, hatte vor dem Treffen für die SPD-Länder eine Art vierseitige Anklageschrift in inquisitorischem Oppositionsfrageton an den Gesundheitsminister geschickt, Jens Spahn antworte sinngemäß so, wie einst Christian Drosten der „Bild“: „Ich habe Besseres zu tun.“
Tatsächlich hätten einige der Fragen (z.B. die nach den Liefermengen für die Bundesländer) gut vom SPD-Bundestagkandidaten, MPK-Chef und Regierenden Bürgermeister Michael Müller (sitzt von Gaebler aus im Roten Rathaus zwei Türen weiter) beantwortet werden können, andere von SPD-Kanzlerkandidat, Finanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz (sitzt bei allen wichtigen Sitzungen auf dem Stühlchen neben Merkel).
So entsteht der Eindruck, dass hier mit der Pandemie vor allem Parteipolitik zu Lasten eines möglichen CDU-Kanzlerkandidaten betrieben wird, nach dem Motto: Wir hobeln, bis der Spahn fliegt. Sogar ein Untersuchungsausschuss wegen des vermeintlichen „Impfskandals“ wird aus den Reihen der Sozialdemokraten gefordert.