Kaiser-Wilhelm-Werbung im „Neuen Deutschland“
Als im Checkpoint eines Tages selbstironische Anzeigen der Flughafengesellschaft zum damals noch unfertigen BER erschienen, gab es besorgte Fragen aus der Leserschaft: Habt Ihr Euch etwa verkauft? Die Antwort haben wir Tag für Tag gegeben, mit jeder neuen Meldung von der Pannenbaustelle. Die Redaktion arbeitet unabhängig von der Anzeigenabteilung, nicht nur bei uns. Dennoch dürfte es heute im „Neuen Deutschland“ ordentlich scheppern. Anlass ist dort eine Werbung im Reichsbürgerstil – vor dem Hintergrund schwarz-weiß-roter Fahnen heißt es da in der Tageszeitung, die sich stolz „sozialistisch“ nennt:
„Für Sie als Leser von nd alles drin!“ Es geht um „eine der beliebtesten Gedenkprägungen Deutschlands ‚Kaiser Wilhelm I.‘ mit 24-Karat-Gold-Veredelung“. Und dazu („Gratis!“): „Sie erhalten eine persönliche Besitzurkunde. Diese Urkunde dokumentiert ganz offiziell Ihr Eigentum. Zudem garantiert Ihnen unser Echtheits-Zertifikat die Echtheit Ihrer offiziellen Gedenkprägung.“ Jedem ND-Leser sein 40-Millimeter-Reichsbürgergebiet! Echt jetzt! Doch das kommt in der Leserschaft nicht überall gut an. Für Regina Kittler, stv. Fraktionsvorsitzende der Linken, ist das jedenfalls eine Grenzüberschreitung, und: „echt ein Kündigungsgrund“.