Diverse Anmeldebögen für Regenbogenfamilien: Diese Hausaufgaben sollten Berlins Schulen erledigen

Eine kleine Freude mit großer Wirkung könnten Kitas & Co. Tausenden Berliner Eltern machen: Sie als „Erziehungsberechtigte“ in ihren Vordrucken adressieren. Ein Zwischenruf von Margarethe Gallersdörfer

Diverse Anmeldebögen für Regenbogenfamilien: Diese Hausaufgaben sollten Berlins Schulen erledigen
Die Option, zwei Mütter auf Schriftstücken anzugeben, gibt es oft nicht. Foto: Imago/Westend61

Eine kleine Freude mit großer Wirkung könnten Kitas und Schulen Tausenden Berliner Eltern machen. Und zwar so: Auf den Anmeldebögen die Slots für „Mutter“ und „Vater“ streichen und stattdessen Erziehungsberechtigte Person 1 und 2 verwenden, oder Ähnliches. Ganz so, als lebten wir im Jahr 2023. Ganz so, als sei die Stadt rappelvoll von Alleinerziehenden, Patchworkfamilien und Regenbogenfamilien, die nicht andauernd von einem Blatt Papier gefragt werden wollen, ob sie wirklich nicht NORMAL sind.

Die Schnauze voll vom ständigen „Vater“-Durchstreichen haben unter anderem Kathleen und Marianna Schreiber, ein Berliner Paar mit einem Kita- und einem Grundschulkind. „Lesbische Paare werden sowieso kaum wahrgenommen“, sagt Kathleen Schreiber. Unschön also, dass seit Jahren fast jedes Formular, das die beiden an einer Bildungsinstitution für ihre Kinder ausfüllen, erst mal davon ausgeht, dass eine von ihnen nicht existiert. Das Fass lief über, als sie jüngst ihr älteres Kind an einer Grundschule in Friedrichshain anmeldeten: Ihre „vorsichtige Anregung“, die Bezeichnungen zu verallgemeinern, stieß dort auf Unverständnis und Ablehnung.

Immerhin: Die Neuköllner Grundschule, an der Marianna Schreiber arbeitet, will ihre Formulare nun ändern. Nur: „Warum darf jede Schule machen, was sie will?“ Die Schulverwaltung teilte auf Anfrage mit, ihre Vordrucke zur Schulanmeldung seien sprachlich bereits angepasst worden: „Es wird nur noch von Erziehungsberechtigten gesprochen.“ Allerdings nutzen viele Schulen wohl eigene Bögen. Durchsage von Alfonso Pantisano, Berlins neuem Queerbeauftragten: „Queeres Leben findet in Berlin nicht nur statt, wenn wir Regenbogenfahnen hissen, sondern an jedem einzelnen Tag.“ In Kitas und Schulen müsse dafür gesorgt werden, dass alle Familien den gleichen Respekt erhielten: „Und ja, das beginnt beim Anmeldeformular und der richtigen Ansprache.“ Klingt nach Hausaufgaben fürs kommende Schuljahr!