Triage in Deutschland: Entscheidungen über Leben und Tod

Die Zahl der Infizierten steigt weiter exponentiell, die Auslastung der Intensivbetten in Berlins Krankenhäusern ist aber noch unkritisch. Deutsche Ärzte halten es trotzdem für „wahrscheinlich, dass auch in Deutschland in kurzer Zeit (…) nicht mehr ausreichend intensivmedizinische Ressourcen für alle Patienten zur Verfügung stehen.“

Das schreiben sieben ärztliche Fachgesellschaften in einem gemeinsamen Papier, das dem Checkpoint vorliegt. Sie fordern eine Debatte über die Triage – also die Entscheidung, wer bei fehlenden Kapazitäten weiterbehandelt wird und wer nicht. Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Papier:

+ „Wenn nicht mehr alle kritisch erkrankten Patienten auf die Intensivstation aufgenommen werden können, muss analog der Triage in der Katastrophenmedizin über die Verteilung der begrenzt verfügbaren Ressourcen entschieden werden.“

+ „Vorrangig werden dann diejenigen Patienten klinisch notfall- oder intensivmedizinisch behandelt, die dadurch eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit bzw. eine bessere Gesamtprognose (auch im weiteren Verlauf) haben.“

+ „Eine Priorisierung ist aufgrund des Gleichheitsgrundsatzes nicht vertretbar  nur innerhalb der Gruppe der COVID-19-Erkrankten – und nicht zulässig allein aufgrund des kalendarischen Alters oder aufgrund sozialer Kriterien.“

+ „Entscheidungen sollen möglichst nach dem Mehraugen-Prinzip erfolgen unter Beteiligung von möglichst zwei intensivmedizinisch erfahrenen Ärzten und von möglichst einem Vertreter der Pflegenden.“

Damit wollen die Mediziner vorbereitet sein auf Situationen, wie sie im französischen Straßburg Alltag sind. Laut einem erschütternden Bericht des Deutschen Instituts für Katastrophenmedizin (DIFKM) werden dort seit dem 21. März Patienten, die älter sind als 80 Jahre, nicht mehr beatmet. Stattdessen erfolge „Sterbebegleitung mit Opiaten und Schlafmitteln“.

Korrektur: Vorerst bis zum 19. April wird der BerlKönig den regulären Betrieb einstellen und ausschließlich kostenlose Fahrten für medizinisches und pflegerisches Personal anbieten. Wir hatten geschrieben, der Senat würde dafür zahlen. Die Information basierte auf einem Missverständnis. Tatsächlich zahlen die BVG und ihr Kooperationspartner ViaVan die Aktion aus dem eigenen Geldbeutel. Wir bitten um Entschuldigung und wünschen den Ärzten und Pflegern: erholsame Fahrt!