Demos gegen Corona: Birne statt Bauch einsetzen
Es ist ja auch die Zeit der Bauchredner: Mit viel Meinung und wenig Sachverstand reden sich zurzeit Politiker und auch Professoren um ihre Reputation. Tübigens Ober-Provokateur Boris Palmer (Grüne) erzählte jüngst in einer Talkshow etwas von „einer Million Kinder“, die nun angeblich nach Einschätzung der UNO durch einen Armutsschock sterben. Nur hatte niemand von der UNO so etwas je gesagt (wie Sie hier nachlesen können). Der Bauch regiert, die Birne hat Pause. Es geht nicht in die Köpfe einer gewissen Zahl von Menschen, dass die Situation in Deutschland bislang wohl deshalb verhältnismäßig glimpflich ausgegangen ist, weil präventive Maßnahmen gewirkt haben. Das Präventionsparadoxon. Stattdessen raunt eine wachsende Clique von Meinungsdiktatur, gleichgeschalteter Presse oder dem Ende der Demokratie – hält aber bei tatsächlich anti-demokratischen Tendenzen den Mund (Grüße nach Ungarn!).
Sie werden am Wochenende wieder auf die Straße gehen. Es werden wohl wieder mehr sein, als noch in der Vorwoche: 23 Demonstrationen sind heute rund um den Rosa-Luxemburg-Platz angemeldet, am Alexanderplatz und bis zur Oderberger Straße, einige Protestler wollen auch vor dem Robert-Koch-Institut in Wedding „gegen irreführende Zahlen“ demonstrieren. Die Polizei will die Lager (auch eine „Revolution der Reptilienmenschen statt Querfront“ ist angemeldet) mit Gittern und einem massiven Aufgebot auseinanderhalten. Die Sicherheitsbehörden wollen Szenen wie in der vergangenen Woche verhindern, als rechte Hooligans auf dem Alexanderplatz kurzzeitig das Kommando übernahmen. Innensenator Andreas Geisel (SPD) sagte am Freitag in einer kurzen Ansprache: „Die Gefahr ist noch nicht gebannt, wir sollten den Zahlen und Fakten vertrauen. Nicht dem Bauchgefühl. Und schon gar nicht den wirren Reden von Verschwörungstheoretikern, die Ihnen einreden wollen, der Staat sei böse.“ Er warnte davor, heute gemeinsam mit Rechtsextremisten, Reichsbürgern und Hooligans zu demonstrieren. „Die möchten nicht Kritik äußern, die greifen unsere freiheitlich demokratische Grundordnung an.“