Solidaritätsdemo mit Collien Fernandes

Der Fall Collien Fernandes, die unter anderem mit pornografischen Abbildungen und Deepfakes im Netz gedemütigt wurde, mutmaßlich von ihrem eigenen Mann, hat Entsetzen ausgelöst. Gestern Nachmittag versammelten sich mehrere Tausend Menschen vor dem Brandenburger Tor, um ein Zeichen gegen digitalisierte sexuelle Gewalt zu setzen – auch Fernandes hatte zu der Demo aufgerufen. Die Stimmung war aufgewühlt: „Jede Einzelne von uns muss heutzutage befürchten, dass es auch ihr passiert“, sagt Josephine Ballon von der Organisation HateAid. „Was mich die letzten Tage wütend gemacht hat, ist, dass es erst ein erfolgreicher Mann sein muss, damit es ein Thema wird“, sagt eine andere junge Teilnehmerin.

Ein Thema ist es auch für die Landespolitik: Innensenatorin Iris Spranger begrüßte am Wochenende die Ankündigung ihrer SPD-Parteifreundin und Justizministerin Stefanie Hubig, zügig ein Gesetz zum Schutz vor digitaler Gewalt vorzulegen, und forderte eine strenge Bestrafung der Täter: „Wer Menschen im Netz jagt, bedroht oder entwürdigt, greift ihre Würde genauso an wie auf offener Straße.“

Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) wies auf ein neu gestartetes Projekt hin, das sich „gegen digitale geschlechtsspezifische Gewalt aus dem sozialen Umfeld“ richte. Beratungsstellen und Schutzunterkünfte sollen gestärkt werden, damit betroffene Frauen schneller Hilfe bekommen. Und Kai Wegner (CDU) sagte: „Wenn wir über Sicherheit sprechen, insbesondere für Frauen und Kinder, reicht es nicht, nur über häusliche Gewalt oder die Sicherheit im öffentlichen Raum zu sprechen.“ Es brauche eine breite gesellschaftliche Debatte über neue Formen der Gewalt. Für Hubigs Gesetz sagte der Regierende Bürgermeister konstruktive Unterstützung und enge Begleitung durch die Länder zu. Hoffentlich bleibt es nicht nur bei digitalen Worten.