Berlins Schulen fallen wieder ins Corona-Chaos zurück

Ein Biesdorfer Gymnasium wird zum Präsenzunterricht verdonnert. In Neukölln sollen ganze Jahrgänge in Quarantäne. Wer hat hier eigentlich die Kontrolle? Von Lorenz Maroldt

Berlins Schulen fallen wieder ins Corona-Chaos zurück
Foto: Michael Weber/imageBROKER

Wie unkontrolliert Berlin ins Corona-Chaos zurückfällt, zeigt ein Blick an die Schulen – hier Auszüge aus einem Brief des Gesundheitsamts Neukölln an alle Schulleiter:innen (liegt dem Checkpoint vor):

Angesichts der steigenden Infektionszahlen der an dem Corona-Virus Erkrankten und der auch vielzählig betroffenen Schulkinder, ändert das Gesundheitsamt Neukölln aktuell seine Teststrategie, die in dieser Fassung mindestens bis zu Beginn der Herbstferien Gültigkeit besitzt. Sofern es einen positiven Fall in einer Schulklasse/Jahrgangsstufe gibt, begibt sich die gesamte Klasse/Jahrgangsstufe als Kontaktperson ersten Grades für 14 Tage in Quarantäne. Unterscheidungen hinsichtlich Kontaktpersonen ersten oder zweiten Grades können unter den Schüler*innen momentan durch das Gesundheitsamt nicht mehr vorgenommen werden. Auch lässt es die Lage aktuell nicht mehr zu, regulär bei Auftreten von positiven Fällen Testungen an den Schulen vor Ort vorzunehmen. Wichtige Info nochmal für alle: Ein negatives Testergebnis hat keinen Einfluss auf die Quarantänedauer. Wir bitten um Ihr Verständnis in der momentan sehr dynamischen Lage und bedanken uns im Voraus für Ihr verantwortungsvolles Mitwirken.“

Ein paar Straßenzüge weiter in Mitte nehmen die Schulen die Sache selbst in die Hand – die Katholische Grundschule St. Paulus z.B. schickte nach der Erkrankung einer Lehrerin zwei zweite Klassen in Quarantäne, „nach eigenem Ermessen“ – und das kam so:

„Da wir nach wiederholten Versuchen (!!!!) keinen direkten Kontakt zum Gesundheitsamt Mitte aufbauen konnten und auf unsere dringenden Mails nur mit einer automatisierten Antwort reagiert wurde, haben wir als Schulleitung nach Abwägung aller relevanten Faktoren diese Entscheidung zum Schutz der betroffenen Kinder und Mitarbeiter getroffen.“

Die Otto-Nagel-Schule, die wegen ähnlicher Probleme nach der Erkrankung eines Kindes den ganzen Unterricht auf Homeschooling umstellen wollte (CP v. gestern), wurde zurückgepfiffen: Der Senat untersagte eine Schulschließung, die Eltern (die von mehreren Infektionsfällen sprechen) wurden um 19.25 Uhr informiert.