Pkw-Analyse auf Kiez-Ebene: So reagiert die Berliner Landespolitik
Streitpunkt Autos in der Innenstadt: Während CDU und SPD das Thema auf den ÖPNV lenken, wirft Antje Kapek (Grüne) der Koalition „knallharte Klientelpolitik“ vor. Von Nina Breher, Christian Latz und Hendrik Lehmann
Die Berliner Kiezkarte des Autobesitzes (interaktiver Pkw-Atlas hier) ähnelt auffällig der mit dem Zweitstimmenanteil der CDU (hier der Vergleich). Andersherum fallen Grünen-Hochburgen häufig mit Gebieten zusammen, in denen es zwar viele Autos pro Fläche gibt (liebevoll „Innenstadt“ genannt), aber wenig Autobesitz. Viele Autos, viel CDU. Wenige Autos, viele Grüne. Okay, an dieser Stelle müssen wir warnend einen Mathelehrerinnen-Satz einschieben: „Korrelation ist nicht gleich Kausalität.“ Aber trotzdem: Zufall?
Entsprechend gibt es unterschiedliche Vorstellungen davon, wie die ungleich über die Stadt verteilten Autos zu interpretieren sind. Das zeigen Reaktionen aus der Landespolitik auf die Ergebnisse einer Tagesspiegel-Analyse zum Autobesitz in Berlin:
+++ Die Koalitionsparteien lenken das Thema eilig auf den ÖPNV (über den streitet sich immerhin aktuell niemand öffentlich). SPD: „Für mich zeigen diese Zahlen, dass sich die Verkehrswende in Berlin bereits vollzieht“, sagt Tino Schopf. Es gelte, ÖPNV und Radwege auszubauen – vor allem in Außenbezirken –, um das weiter zu unterstützen. Die CDU sieht das ähnlich: Sobald dank ÖPNV in den Außenbezirken „die Versorgung auch ohne eigenes Auto möglich ist, kann dies dazu führen, dass die Anzahl der Autos auch dort abnimmt“, sagt Verkehrspolitiker Johannes Kraft.Zum Thema Radwege schweigt die CDU laut. Warum bloß?
+++ Die Opposition ist weniger subtil. Grünen-Verkehrspolitikerin Antje Kapek wirft der CDU knallhart „knallharte Klientelpolitik“ vor, und zwar in Richtung der Besserverdienenden – die, statistisch betrachtet, mehr Autos haben. Die Linke fordert „weniger Platz für das Auto, damit es unattraktiver wird, die Straßen zuzustauen“.
Fakten, mit denen jeder seine Politik weitertreibt: Hier geht’s zur Pkw-Datenanalyse.