Kulturbrauerei droht Verdrängung: Lederer will Bebauungsplan ändern
Gerade erst läuft die Berliner Kultur wieder an, da droht einer der bekanntesten Institutionen schon die Dernière: Pankow fürchtet um die Zukunft der Kulturbrauerei. Nach der Fusion des Grundstückseigentümers TLG Immobilien mit dem Luxemburger Immobilienkonzern Aroundtown fürchten Politiker aller Parteien, dass die alte Schultheiss-Brauerei nun zu einem Büro- und Shoppingstandort umgewandelt wird. Investor Aroundtown ist auf Gewerbeimmobilien spezialisiert, der Erhalt von „frannz Club“, „Soda“, „Alte Kantine“ oder „Kesselhaus“ wäre: exotisch.
Besonders kunstvoll: Erst 2012 verkaufte der Bund das Areal an einen Investor. Versäumte wurde, die kulturelle Nutzung in den Bebauungsplan zu schreiben. Jetzt wollen Pankower Linke und Grüne, dass der Senat das Areal erwirbt. Kultursenator Klaus Lederer (Linke) reagiert auf Checkpoint-Anfrage aber skeptisch: „Weder kann das Land einseitig Grundbucheinträge durchsetzen noch einen Ankauf, zumal ein dem Shareholder Value verpflichteter Finanzakteur seine Gewinnerwartungen in einem solchen Fall einpreist.“ Lederer greift den Bund scharf für den damaligen Verkauf an: Öffentliches Eigentum sei „in unfassbarem Umfang für wenig Geld verschleudert“ worden. Lederer: „Damals galt das als linke Panikmache, als Zweifel an der wohltuenden Wirkung des Markts.“ Der Kultursenator hält einen neuen Bebauungsplan für das geeignete Mittel, um „die Verwertungsinteressen des Konzerns zu begrenzen“. Gegen Renditebrauerei.