Ist Berlin zu voll und zu laut? So blicken unsere Leser auf die Hauptstadt

Lärm, Müll, Autos – und trotzdem Liebe zur Stadt? Der Blick unserer Leser auf Berlin ist gespalten: Für manche ist die Stadt kaum noch auszuhalten, andere sehen gerade darin ihren Charakter. Von Robert Ide.

Ist Berlin zu voll und zu laut? So blicken unsere Leser auf die Hauptstadt
Credit: Imago / Sabine Gudath

Ist Berlin zu voll, zu laut und überfordert von sich selbst? Das haben wir Sie, liebe Leserinnen und Leser, vergangene Woche gefragt. Hier ein paar Ihrer Antworten, die vielleicht zeigen, wie sich das Lebensgefühl vieler Menschen hier verändert hat:

Diana Henniges, die seit 25 Jahren in Moabit wohnt, schreibt: „Ich habe diese Stadt immer für ihr widerspenstiges Herz geliebt. Aber aus lässiger Großstadt ist vielerorts eine Zumutung geworden: Regeln gelten nur noch für die, die sich dumm genug anstellen, sich erwischen zu lassen, Baustellen scheinen zu überwintern, Gehwege werden zu Parkplätzen, und Sperrmüll gehört inzwischen zum Straßenbild wie die Laterne. Man hat den Eindruck, der öffentliche Raum wird einfach aufgegeben, von der Verwaltung wie von manchen Bewohnern gleichermaßen. Das Traurige ist nicht, was Berlin ist, sondern was es sein könnte.“

Lutz Woltersdorf, seit 64 Jahren Berliner, schreibt: „Berlin ist tatsächlich zu laut, zu wild und zu voll. Angestammte Berliner müssen inzwischen alles ertragen: Partys, Demos, Staus, Verwaltungsdysfunktionalität, Wohnungsnot, Brückensperrungen, Haushaltsarmut. Andere kommen temporär und verlassen Berlin nach Erschöpfung wieder. Berlin wird nicht für Berliner regiert! Wohl dem, der nicht an diese Stadt gebunden ist.“

Helga Kohnen-Mueller aus Schmargendorf meint: „Berlin ist vor allem zu dreckig. Grünflächen, Straßen und Wege sind zu ungepflegt, oft verdreckt und versifft. Statt für irrsinnig viel Geld neue Bäume zu pflanzen, sollten die alten fachgerecht gepflegt werden. Hinzu kommen Baustellen über Baustellen, an denen gar nicht oder im Schneckentempo gearbeitet wird. Diese Stadt ist nur noch zum Weinen. Das haben wir Bürgerinnen und Bürger nicht verdient.“

Hansjürgen Wollmann aus Spandau beklagt: „Berlin ist zu laut durch den Autolärm – und man ist vor Autos nirgendwo sicher. Berlin wird für Fußgänger immer unakzeptabler: Autos haben immer Vorfahrt, alle Ampeln werden autogerecht, ganz selten fußgängergerecht geschaltet. Die Stadt wird immer hässlicher, weil alles zugeblecht wird. Wo es früher noch etwas Grün gab, stehen jetzt Blechkisten zum Parken herum. Und das alles fast gratis.“

Unsere Leserin Elen T. dagegen meint: „Berlin ist groß genug, um sich eine ruhige Ecke zu suchen. Ich akzeptiere sachliche Kritik wie Probleme bei der Wohnungssuche, aber das Gejammer der Zugezogenen, dass es ganz anders ist als erwartet oder als früher, kann ich nicht mehr hören. Diese Stadt ändert sich eben und leise war sie doch nie. Wer damit nicht umgehen kann, muss auf seinem Dorf bleiben! Als gebürtige Berlinerin gibt es für mich null Grund zum Wegziehen. Bei allen Problemen ist es einfach die tollste Stadt der Welt.“

Und was denken Sie?