Adidas verhängt Hausfassade mit riesigem Banner

Werbebanner vor Wohnungsfenstern, ein ignoranter Sportartikelhersteller und eine Hausverwaltung, die Mietern droht – „Impossible is nothing“ à la Neukölln. Von Lorenz Maroldt

Adidas verhängt Hausfassade mit riesigem Banner
Foto: Pemax/Imago

Als Adidas beim ersten Lockdown trotz Millionengewinnen gleich mal die Mietzahlung in ihren Filialen einstellte, habe ich aus Protest ein altes Paar Dreistreifen-Treter in den Müll geworfen. Jetzt ist das nächste Paar dran – und hier steht, wieso:

Seit einem halben Jahr befinden wir uns im Winterlockdown – die Politik ruft dazu auf, zuhause zu bleiben, zuhause zu arbeiten, zuhause zu lernen. Und Adidas macht mit: Unter dem Hashtag #Hometeam zeigen die Angestellten via Instagram rührend-schöne Wohnzimmerfotosund fast immer scheint die Sonne herein. Die Bewohner der Hermannstraße 233 können davon nur träumen: Bei ihnen hängt neuerdings ein haushohes Werbebanner vor den Fenstern – und jetzt raten Sie mal, von wem? Ok, war ja nicht so schwer. „Manche sehen Nachhaltigkeit. Wir sehen unsere Verantwortung“, steht in riesigen Lettern links an der Fassade, von der Traufe an abwärts. Und deshalb sehen manche Menschen gar nichts. Aber wenn Sie jetzt denken: „Das ist ja unmöglich!“, dann werden Sie von Adidas eines Besseren belehrt: „Impossible is nothing“, heißt es rechts an der Fassade.

Die Geschichte geht aber noch weiter: Eine Mieter-Beschwerde reichte Adidas gleich weiter an die Hausverwaltung „Deutsche Boden“ – und die drohte den Bewohnern, die sie „Anstifter“ nennt, gleich mal eine Schadenersatzforderung an, sollte Adidas wegen der Proteste als „Werbepartner“ abspringen. Und hier noch ein Blick auf die Geschäftsprognose von Adidas („Ausblick Gesamtjahr 2021“): „Starker Umsatzanstieg im mittleren bis hohen Zehnprozentbereich erwartet – Gewinn zwischen 1,25 und 1,45 Mrd. Euro.“ Da können dann eben andere auch ruhig mal die Wände hochgehen. (Q&F: Dominik Erhard)