Warum Michael Müller das Morbus Söder erwischt hat

Nach und nach hat sich der angebliche Rambo "Wellenbrecher-Lockdown" in seinen zwar besser situierten und langhaarigen, aber überheblich-risikofreudigen Cousin verwandelt: den "Wellenreiter-Lockdown". Weil die Infektionskurve weiter anwächst, hält die Physikerin Viola Priesemann vom Max-Planck-Institut den umfassenden Kultur- und Freizeitlockdown seit spätestens Ende November für gescheitert. Priesemann ist davon überzeugt, dass ein kurzer, aber wirklich konsequenter Lockdown für zwei bis drei Wochen effektiver wäre als das monatelange Surfen auf der Infektionswelle.

Eine andere Physikerin, Angela Merkel, hat sich vor der Unionsfraktion am Montag ebenfalls für schärfere Maßnahmen ausgesprochen. Es werde zu viel über Glühwein gesprochen und zu wenig über Krankenschwestern, soll sie nach Checkpoint-Informationen gesagt haben. Allerdings wolle sie neue Maßnahmen nur gemeinsam mit den Ländern entwickeln.

Aus Berlin ist dafür wohl so schnell keine Hilfe zu erwarten: Der in der Krise bislang angenehm zurückhaltend auftretende Michael Müller hatte sich im Tagesspiegel mit den Worten zitieren lassen: „An der Berliner Regelung können sich andere Länder gern orientieren.“ (CP von gestern) Hat den Regierenden bei einer Inzidenz von 186,1 der Morbus Söder erwischt? Als quasi-präsidialer Chef der Ministerpräsidentenkonferenz möchte er immerhin einen raschen Termin für eine neue Bund-Länder-Runde ausloten – womöglich schon am 15. Dezember.