SPD und CDU mit akademischen Titeln beschäftigt

SPD und CDU waren gestern wieder mal mehr mit akademischen Titeln beschäftigt als mit politischen.

Beginnen wir mit der CDU. Der Checkpoint hatte hier gestern die seltsame Professur des Reinickendorfer Bürgermeisterkandidaten Michael Wegner verfolgt – die rumänische Hochschule, an der er angeblich einen Lehrauftrag hat, konnte ihn nicht in ihren Aufzeichnungen finden. Wegner selbst, der den Titel „Prof.“ führt, sagte meinem Kollegen Gerd Appenzeller, er habe 2009 „eine Vereinbarung“ mit der Universität Pitesti über „Bildungsprojekte“ mit einer Laufzeit von fünf Jahren plus einem Jahr Verlängerung getroffen. Die Hochschule ist bei der vergeblichen Suche nach Wegner in ihren Akten zehn Jahre zurückgegangen. Laut Hochschulgesetz darf der Professorentitel nur geführt werden, wenn eine Lehrtätigkeit nicht länger als zwei Semester unterbrochen wird.

Der Titelmissbrauchsexperte Manuel Theisen sagte meiner Kollegin Amory Burchard, der Verdacht liege nahe, „dass es sich um einen gekauften Titel handelt“: Gegen rund 20.000 Euro seien solche Hochschulen bereit, Verleihungsurkunden auszustellen – ohne wissenschaftliche Gegenleistung. Dazu ein Blick auf die Website der Wissenschaftsverwaltung: „Wer einen käuflich erworbenen Hochschulgrad führt, kann gemäß § 132a StGB mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft werden.“ Der 62 Jahre alte Wegner soll am Wochenende offiziell als Bürgermeisterkandidat der CDU Reinickendorf gewählt werden – ihm fehlt nach sieben Jahren als Stadtrat nur noch ein weiteres Jahr für seinen Pensionsanspruch. Mehr Infos über die Affäre gibt es am Mittwoch im „Leute“-Newsletter von Gerd Appenzeller.

Zur SPD: Ein bislang geheim gehaltenes Gutachten der FU offenbart das Ausmaß der Zitierfehler in der Doktorarbeit von Franziska Giffey – an 27 Textstellen übernahm die designierte Bürgermeisterkandidatin ohne Quellenangaben die Leistung anderer Autoren. Veröffentlicht hat den Bericht jetzt die Studierendenvertretung auf der Seite „Frag den Staat“. Aus dem Gutachten: „Im Gremium bestand Konsens darüber, dass diese 27 Textstellen den Tatbestand der objektiven Täuschung erfüllen.“ Dennoch beließ es die FU bei einer Sanktion, die es gar nicht gibt – einer Rüge. Die FU hat zu dieser Entscheidung jetzt ein weiteres Gutachten bei Ulrich Battis in Auftrag gegeben – und der Asta fordert das Präsidium schon mal auf, Giffey den Titel zu entziehen. „RegBM Berlin“ wäre ja auch ein adäquater Ersatz.